Bin ich zu nett?
Auf bekannt philosophisch unterhaltsame Art widmet sich der Autor der „Hector“-Romane der Freundlichkeit. Menschen, die er weltweit getroffen hat, berichten ihm, dass sie sich geringgeschätzt, ausgenutzt fühlen und enttäuscht sind. Zwischen
den Polen "Nettigkeitsreflex" und persönlichem "Freundlichkeitsprofil" (S. 13) gibt es eine Bandbreite, in der man selbst entscheiden kann, wie freundlich, hilfs- und kompromissbereit man sein will. Denn klar ist, zu viel Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Nachgiebigkeit, Mitgefühl verleiten Mitmenschen dazu, einen nicht zu beachten, auszunutzen, geringzuschätzen. Eigene Ziele, Leistungen, Zufriedenheit bleiben dann auf der Strecke. – Zahlreiche Beispiele illustrieren Lelords Ausführungen und helfen den Leser:innen, sich selbst besser zu verstehen. Erkennt man sich als allzu netter Mensch, helfen Stichwort-Tabellen und Tests dabei, das Maß seiner Freundlichkeit neu zu gestalten. Unbedingt empfehlenswert.
Karola Bartel
rezensiert für den Borromäusverein.
Bin ich zu nett?
François Lelord ; aus dem Französischen von Ralf Pannowitsch
Penguin Verlag (2025)
202 Seiten
fest geb.