Das Alphabet der Masken
Anfang des 20. Jh. kehrt die Familie Akenfeld von den Salomonen nach Leipzig zurück, damit Richard Akenfeld die Geschäfte des Druckerei-Imperiums übernehmen kann. Seine Stieftochter Amalia ist der Großfamilie jedoch ein Dorn im Auge, da sie mit
ihrer dunklen Hautfarbe nicht ins großbürgerliche Leipzig passen will. Kurzerhand wird sie in ein Heim gegeben. Jahre später kehrt sie als Erwachsene nach Leipzig zurück. Den Verrat ihrer Familie hat sie nie verwunden, und dennoch willigt sie ein, aus Liebe zu Büchern und zur Kunst des Jugendstils für ihre Schwester den Wert und die Herkunft einiger Exlibris-Druckstöcke ihres verstorbenen Vaters zu recherchieren. 1970 tauchen diese Druckstöcke im Besitz einer Baronin in Monaco auf. Hier soll nun der Student Timm die Herkunft herausfinden und stößt dabei auf die dunkle Geschichte der Akenfelds, die sich zu Beginn der Nazi-Herrschaft mit Mord und Verrat an den Rand der Auslöschung gebracht haben. – Eine spannende Fortsetzung der Familiengeschichten aus dem Graphischen Viertel in Leipzig (zuletzt: BP/mp 26/432). Im gewohnten Wechsel zwischen 1930er Jahre und spätem 20. Jh., erzählt der Autor die mitreißende Geschichte von der mutigen Amalia. Dabei behandelt er geschichtliche Aspekte genauso wie die Faszination des Jugendstils, die Begeisterung vieler Leipziger für Ägyptologie und das eingeschworene Treiben von Logen. – Ein fesselnder Roman, wie alle Teile der Reihe. Sehr gerne empfohlen.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Alphabet der Masken
Kai Meyer
Knaur (2026)
Die Geheimnisse des Graphischen Viertels ; 5
426 Seiten
fest geb.