Die Rückseite des Lebens
Die durch das Theater bekannte französische Autorin schreibt kurze Geschichten über Justizfälle, die sie beobachtet hat. Dabei berichtet sie kommentarlos, wie unzulänglich die Justiz urteilt angesichts der Schicksale von Menschen, die unter Obsessionen
oder Einsamkeit leiden oder auch Selbsttäuschungen erlegen sind. So erzählt sie die Geschichte einer Frau, die ihren Mann getötet hat, und deren desolates Leben geschildert wird. Oder die eines Mannes, der alte Frauen um ihr Vermögen erleichtert und sie dann umbringt, dann jedoch behauptet, die Frauen geliebt zu haben. Sie schildert den Fall einer Frau, die vergewaltigt wurde und dem Täter danach verliebte Briefe schreibt. Auch Verfahren gegen Personen des öffentlichen Lebens, wie das gegen Nicolas Sarkozy wegen Korruption, ebenso wie der Tod ihres Freundes Imre Kertesz und kurz darauf von dessen Frau Magda tauchen in dieser Sammlung von Gerichts- und Lebensprotokollen auf. Private Erlebnisse, die meist in Venedig spielen, werden immer wieder eingefügt, um die Härte mancher juristischer Urteile auszugleichen. – Die Sammlung höchst unterschiedlicher menschlicher Schicksale ist sehr eindrucksvoll und wird allen Büchereien, insbesondere Lesekreisen empfohlen.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Rückseite des Lebens
Yasmina Reza ; aus dem Französischen von Claudia Hamm
Hanser (2025)
197 Seiten
fest geb.