Wiedersehen in Rajasthan
Die 16-jährige Gesa folgt 1935 ihrem jungen Ehemann Ravi Khandal von Deutschland nach Indien. Nach der Geburt ihres ersten gemeinsamen Sohnes hat sie weder bei ihrer Familie noch unter der Nazi-Herrschaft eine Heimat. Sie erhofft sich im exotischen
Indien ein märchenhaftes Leben mit ihrem aufstrebenden Mann, der an einem prestigeträchtigen Staudammprojekt in Rajasthan mitarbeitet. Dort jedoch muss sie feststellen, dass ihr Mann bereits mit einer indischen Frau verheiratet ist, und Gesa wieder Außenseiterin wird. Mutig erkämpft sie sich ein Leben an Ravis Seite und gründet mit ihm eine große Familie. Über 60 Jahre später reist Paula 1999 nach Rajasthan, auf den Spuren der Familie Khandal, die sie als Kind kennen und lieben gelernt hat. Sie sucht vor allem nach deren Tochter Tara, mit der sie eine innige Freundschaft verband. Und sie will herausfinden, warum ihre Mutter so plötzlich die Freundschaft mit den Khandals aufkündigte und nach Deutschland zurückkehrte. – Dieser Frauenroman ist mitreißend aus wechselnden Perspektiven erzählt. In beeindruckenden Bildern werden die beiden Lebensgeschichten dieser starken Frauencharaktere erzählt, die mutig eine ihnen fremde Welt erkunden: Gesa als junge Frau und Mutter an der Seite eines untreuen, groben Ehemanns und Paula als junges Mädchen in einem indischen Internat, die in der älteren Tara eine Freundin findet, die ihr den Weg in die Unabhängigkeit zeigt. Ein toller, sehr zu empfehlender Frauenroman.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wiedersehen in Rajasthan
Ute Krause
Wilhelm Heyne Verlag (2025)
476 Seiten : Karte
fest geb.