Magdalenaberg

Der österreichische Bauernsohn Joseph Wagner wird die Schatten seiner Vergangenheit nicht los. Oft sitzt der müßiggängerische Mittdreißiger auf der Friedhofsmauer, auf dem Magdalenaberg, denkt an seine Kindheit und Jugend und die Fehler der jüngsten Magdalenaberg Vergangenheit. Er erinnert sich, wie er nach zwei Jahren als Ministrant, von Altersgenossen gedemütigt wurde und anstatt sich zu wehren, den Dienst am Altar aufgab. Auch über seine Schul- und Studienzeit denkt er nach. Nur ungern ließen die Eltern den für die Hofnachfolge vorgesehenen ältesten Sohn ziehen, der bis heute sein Studium nicht beendet hat. Vor allem denkt er an seinen jüngeren Bruder Wilhelm, der vor drei Jahren tödlich verunglückte und der, wie Joseph erkennt, in seiner gesamten Lebensführung eine bessere Kopie seiner selbst war. Er grübelt über die zahlreichen Missverständnisse nach, die sein Leben bislang bestimmten. Erst als seine Freundin Katharina ihn verlässt, erwacht er aus seiner Lethargie. Er erkennt, dass seine Eltern, sein Bruder Wilhelm und er nie wirklich miteinander redeten und schon gar nicht miteinander stritten und Konflikte lösten. Problemen wurde stets schweigend ausgewichen, Entscheidungen wurden hinausgezögert. Nun muss Joseph handeln. - Der 1982 geborene österreichische Autor hat die Natur und Landschaft sehr gut beschrieben und das kleinbäuerliche Milieu hervorragend eingefangen, unterstützt durch die authentischen dialektalen österreichischen Einsprengsel. Ein gelungener und lesenswerter Roman über Liebe und Tod, Kunst und Natur und über das drohende Vergessen und langsame Sicherinnern. Sehr empfehlenswert.

Birgit Fromme

Birgit Fromme

rezensiert für den Borromäusverein.

Magdalenaberg

Magdalenaberg

Reinhard Kaiser-Mühlecker
Hoffmann und Campe (2009)

191 S.
fest geb.

MedienNr.: 318180
ISBN 978-3-455-40192-9
9783455401929
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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