Brennende Felder
Luisa wächst in der Umgebung der oberösterreichischen Stadt Wels auf, hat ein gespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter, ihre zwei älteren Brüder sind ihr fremd. Mit 15 Jahren verliebt sie sich in ihren Vater, der sich später als Stiefvater erweist.
Sobald sie volljährig ist, zieht sie in die Fremde. Sie heiratet in Dänemark, lässt sich scheiden, heiratet einen Amerikaner in Schweden, trennt sich auch von ihm, nennt rückblickend beide Männer Monster. Zu den beiden Kindern aus diesen Beziehungen verliert sie die Verbindung. Allein lebt sie in Hamburg, bis ihr Stiefvater Bob auftaucht und ein wildes Leben in seinem großen Haus in ihrem Heimatort beginnt. Später drängt sie sich Ferdinand auf, der Bob beim Einbruch gestellt und getötet hat. Eigentlich interessiert sie sich nicht für das Leben ihrer Partner, und so schickt Ferdinand sie wieder weg. Ihr bleibt nur die Hoffnung, als Schriftstellerin Selbstbestätigung zu finden. – Die Ichbezogenheit Luisas wird in vielen Selbstreflexionen deutlich. Ihre autistisch anmutenden Züge spiegeln sich erzähltechnisch in den Figuren Anton und Jakob. Die männlichen Figuren in diesem Roman haben gewisse Macken; weibliche außer Luisa gibt es kaum. Luisas schriftstellerische Ansätze wirken wie Fluchtversuche. Beruf und Sicherung des Lebensunterhaltes werden kaum thematisiert. Einige österreichisch-bayrische Sprachbesonderheiten verleihen dem Roman eine gewisse Atmosphäre. Kurze Landschafts- und Wetterschilderungen stimmen auf neue Lebenssituationen der Hauptperson ein. Die vielen kurzen Romankapitel bewahren geschickt ihren Spannungsbogen und halten so den Leser fest. Luisas Lebensprobleme sind gleichsam ihre brennenden Felder.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Brennende Felder
Reinhard Kaiser-Mühlecker
S. Fischer (2024)
366 Seiten
fest geb.