Trost
Rita, Joachim, Jane und Lea, Eric, Renate, Sperling, Kerstin, Beatrice, Helene und Malte: Familiär, freundschaftlich, als Liebespaar oder Nachbarn verbunden, durchleben sie getrennt und immer wieder vereint ihre Tage. Die Freundinnen Jane und Lea
gehen kurz vor dem Abitur sehr unterschiedliche Wege. Rita will sich von Joachim trennen, aber nach einem Wespenstich braucht sie einen Luftröhrenschnitt, um wenigstens noch atmen zu können. Joachim tröstet sich mit Kerstin, deren Bruder alle mit seinen Vogelimitationen erfreut. Renate, Joachims erste Frau, flüchtet sich in Soapwelten. Ihre Kinder Jane und Eric bekommen auch nicht wirklich mehr Kontakt zueinander. Nach den auch weltanschaulichen Wirren der Corona-Pandemiejahre werden alle erneut vom Angriff Russlands auf die Ukraine in Schach gehalten. Dass sich Eric und Helene trotz Kleinkind Malte nicht von Drogen fernhalten, fällt fast schon nicht mehr auf: „Mensch sein ist ungeheuer anstrengend“ (201), in all ihrer Bedürftigkeit bleiben sie auch nach Ritas Beerdigung verbunden. Jane schreibt Ritas angefangenen Roman weiter. – Weder in Wortwahl noch in Handlungsabläufen oder Erzählgeschwindigkeit macht die Autorin einen Versuch, von einer allseits empfundenen Trostlosigkeit abzulenken. Durchgängig hält sie eine hilflose Stimmung des Unabweislichen für die Akteure durch. So packt sie ein verbreitetes Lebensgefühl in Worte. Keine ermutigende Lektüre, aber realistisch. Für große Bestände.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Trost
Angelika Klüssendorf
Piper (2026)
205 Seiten
fest geb.