Blondes Herz
Bernardine Evaristo stellt die Vergangenheit auf den Kopf: Doris wächst in einer armen Familie an der Kohlkopfküste des unterentwickelten Englands auf. Eines Tages wird sie beim Spielen eingefangen und auf ein Schiff gebracht. Unter menschenunwürdigen
Bedingungen gelangt sie so nach „Aphrika“, wo sie fortan als "Freundin" eines verwöhnten reichen Mädchens herhalten muss. Doch nicht nur ihr Alltag wird auf den Kopf gestellt, auch ihre Überzeugungen und Werte, denn was in ihren Augen schön ist, gilt in „Aphrika“ als hässlich, ihr Name gilt als unaussprechlich und sie erhält einen neuen, den sie selbst kaum aussprechen kann. Nach dem Tod ihrer "Spielgefährtin" wird sie verkauft und kennt fortan nur ein Ziel – weglaufen und zurück in ihre Heimat. Mit ihrem bereits im Jahr 2008 im Original erschienenen Gedankenexperiment gelingt es der Autorin, den Leser:innen die ganze Brutalität und Entmenschlichung des Sklavenhandels durch die umgekehrten Rollen noch intensiver spüren zu lassen. Breit einsetzbar.
Martina Häusler
rezensiert für den Borromäusverein.
Blondes Herz
Bernardine Evaristo ; aus dem Englischen von Tanja Handels
Tropen (2025)
288 Seiten
fest geb.