Die gelben Gummistiefel
Schmuckstücke, Urkunden oder alte Fotos gehören zu den Dingen, die in Familien weitervererbt werden. Sie mögen von geringem materiellem Wert sein, aber ihnen haftet dafür eine Aura an, die mit dem (ehemaligen) Besitzer verbunden ist und die den
Dingen ihren besonderen Wert verleiht. – In diesem Kinderbuch sind es gelbe Gummistiefel, die in der großen Patchworkfamilie herumgereicht werden. Ein Mädchen erzählt uns, dass ihre Mutter sie ihrer großen Schwester kaufte, die Stiefel dann an mehrere Cousins und Cousinen weitervererbt wurden und sie schließlich beim neugeborenen Baby landeten, das erst noch hineinwachsen muss. Diese Stiefel wurden von allen geliebt, aber alle haben auch einen anderen Umgang und eine eigene Geschichte mit ihnen: sie werden zur Gartenarbeit und am Strand verwendet, sie gehen verloren und werden gesucht, ein Frosch ist einmal hineingehüpft und auch als Blumenvase wurden sie schon genutzt. So lassen sich anhand der Stiefel Familiengeschichten erzählen und zudem verbinden sie die Familienmitglieder miteinander. Das ist sehr vergnüglich zu lesen und auch an den zahlreichen Bildern hat man Freude. Die Szenen erinnern an Cartoons, deren Pointen punktgenau sitzen. So skizzenhaft sie auch erscheinen mögen, so präzise tragen sie zur Erzählung bei. Der billige Gebrauchsgegenstand ist Quelle einer kindlichen Familiensaga, und das macht ihn so wertvoll. Glücklich, wer solch ein Ding mit vielen teilen kann!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Die gelben Gummistiefel
Isabel Pin
Tyrolia-Verlag (2026)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4