Und dann?
Der Neid auf das Anglerglück der Freundin kann sich mit Wut paaren. So geschieht es einem Jungen am Strand, der, statt sich körperlich auszutoben, Fantasien entwickelt: er macht einen Knoten in den Leuchtturm, er reißt Bäume aus und trinkt das
Meer leer. Mit einer grimmigen Maske vertreibt er die Tiere – und dann? Die Befürchtung, dass er danach ganz allein ist, bestätigt sich glücklicherweise nicht! – In diesem Bilderbuch werden sich die jungen Betrachter sicher wiedererkennen und darüber staunen, welche Kräfte in einem wütenden Kind stecken. Die Visionen, von denen der Junge erzählt, werden drastisch ausgemalt, auch wenn der Bezug zur Situation am Strand bestehen bleibt: statt der Bäume reißt der Junge nämlich Sonnenschirme aus und der Knoten im Leuchtturm wird von niemandem bemerkt. Die Kluft zwischen der Fantasie und der Wirklichkeit ist groß, sie wird mit freundlichem Humor gefüllt. Die in zarten Farben gehaltenen Zeichnungen erzählen von einer friedlichen Strandidylle, der sich die Hauptfigur wortreich entgegenstemmt. Denn diese steht im Widerspruch zu seinem aufgewühlten Innenleben; nach der Attacke scheint er über sich selbst verwundert zu sein. Die Geschichte zeichnet ein Kopfkino, das die Betrachter mit befreiendem Lachen goutieren werden. Wie gut, dass am Ende die Freundschaft keinen Schaden genommen hat - dieser Gewinn wiegt mehr als ein Erfolg beim Angeln!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Und dann?
Heinz Janisch ; [Illustration:] Helga Bansch
Jungbrunnen (2025)
[32] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 3