Alte Pfade
Liliane hat nach ihrer Scheidung den ersten Urlaub allein verbracht. Auf der Heimreise erhält sie einen Anruf aus einem Krankenhaus in Inverness. Ihr knapp 90-jähriger Vater Klaus hatte auf einer Wanderung durch die schottische Highlands einen Herzinfarkt
und wurde operiert. Verwundert und besorgt macht sich Liliane auf den Weg nach Schottland. Die Ärzte eröffnen ihr, dass auch die Nieren ihres Vaters angegriffen seien. Er aber besteht darauf, die Wanderung, die er als junger Mann bereits einmal unternommen hat, fortzusetzen. Widerstrebend begleitet ihn Liliane. Sie hat keine Ausrüstung, sondern nur Sommerkleidung und Stoffschuhe dabei. Auf dem Weg durch die unberührte Landschaft kommen sich Vater und Tochter näher. Vor fast 40 Jahren hat sich die Mutter umgebracht und Klaus und ihre drei kleinen Kinder allein zurückgelassen. Der Vater hat nie mit den Kindern darüber gesprochen. Als der Vater nun endlich von seinen Kindheitserinnerungen spricht, beginnt sie zu begreifen, woher seine Unfähigkeit rührt, innezuhalten und Gefühle zuzulassen. Liliane zieht Rückschlüsse auf ihr eigenes Verhalten und sieht die Scheidung von ihrem Mann plötzlich in einem anderen Licht. Auch wenn nicht alles ausgesprochen werden kann, ist die Annäherung zwischen Vater und Tochter tröstlich für beide.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Alte Pfade
Alexa Hennig von Lange
DuMont (2026)
235 Seiten
fest geb.