Vielleicht können wir glücklich sein
Als Leiterin einer NS-Frauenbildungsanstalt hatte Isabels Oma Klara das jüdische Mädchen Tolla als ihr eigenes Kind ausgegeben, um es vor den Nazis zu schützen. Doch nicht nur deshalb, auch, um ihre eigene Karriere nicht zu gefährden, hatte Klara
vergeblich darum gekämpft, Tolla mit Hilfe ihrer Freundin in England in Sicherheit zu bringen. Nur einmal noch hört Klara von Tolla: Klaras Mann, ein damals zum Wehrdienst verpflichteter Lehrer, hatte Tolla in einem Todesmarsch nach Auschwitz erkannt. Bis zu ihrem Tod leidet Klara darunter, dass sie das Kind nicht schützen konnte und sie nie wieder etwas über Tollas Verbleib gehört hat. Gut 50 Jahre später wertet ihre Enkelin Isabel die 130 Kassetten aus, auf denen ihre Oma ihre Lebensgeschichte erzählt. Dadurch kommt Isabel Tollas traurigem Ende auf die Spur. – Hennig von Lange stützt sich neben historischen Fakten u. a. auf Briefe, Tagebücher und Tonbänder ihrer eigenen Oma, deren Leben im „Dritten Reich“ die Autorin zu dieser Trilogie inspiriert hat (zul. „Zwischen den Sommern“, BP/mp 24/151). Durch die wechselnde Perspektive und die authentisch gezeichneten Figuren entsteht ein spannender Roman, der versucht, den schwierigen Entscheidungen jener Zeit gerecht zu werden.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Vielleicht können wir glücklich sein
Alexa Hennig von Lange
DuMont (2024)
Heimkehr-Trilogie ; der dritte Band
332 Seiten
fest geb.