Die Iden von Rom
„Et tu, mi fili“, soll Cäsar gesagt haben, als Brutus mit dem Dolch zustoßen wollte. Diesen Satz nimmt der Autor als Wendepunkt bei seiner Version der Ereignisse am Ende der römischen Republik. Im ersten Teil des Romans „Inter serpentes“
(Unter Schlangen) schildert er breit, wie die verfeindeten Gruppierungen unter den Senatoren agieren, um ihre Vorstellungen von einem funktionierenden Staatswesen nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs und Cäsars Machtfestigung umzusetzen. Nach Peinkofers Idee tritt Brutus vom Attentat zurück, weil er ein illegitimer Sohn Cäsars ist. Der zieht sich schwer verletzt extrem zurück, während seine potentiellen Nachfolger sich in die Kämpfe stürzen, wie sie tatsächlich überliefert sind. So findet bei Philippi die berühmte Schlacht statt, nur Oktavius – gängiger Oktavian –, der Neffe Cäsars, tritt nicht als Sieger hervor, sondern verschwindet von der Bildfläche. Da der Verschwörer Cassius sich östliche Völker – nach Peinkofer die Parther – als Hilfstruppen gewonnen hat, geht der Osten des Reichs an das Reitervolk verloren. Erst als die kriegerischen Auseinandersetzungen am Fluss Rubicon angelangt sind, wird der Imperator wieder aktiv, stirbt aber an einem epileptischen Anfall, so dass Brutus der einzige lebende Abkömmling wird. – Peinkofers Grundgedanke ist, dass es oft im Geschichtsverlauf nur einer einzigen Entscheidung oder eines Zufalls bedarf und der weitere Verlauf der Geschichte ändert sich grundlegend. Das Gedankenspiel ist reizvoll, solange man sich den tatsächlichen Verlauf vergegenwärtigen kann. Es hätte kein Imperium Romanum gegeben und Byzanz wäre ein unbedeutender Ort am Bosporus geblieben.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Iden von Rom
Michael Peinkofer
Lübbe (2026)
494 Seiten
kt.