Das falsche Leben
Bei der Gründung der DDR gab es einige, die von der Idee eines sozialistischen Staates so überzeugt waren, dass sie eine Spionagetätigkeit für die DDR aufnahmen. Dazu wurden sie in die BRD umgesiedelt und in einen Betrieb eingeschleust. Als überzeugter
Kommunist übernahm Tommys Vater freiwillig diese Aufgabe, zusammen mit tausenden anderen. Als er 1979 aufflog, konnte er gerade noch zusammen mit seiner Frau und seinen Söhnen in die DDR flüchten und dort mit Hilfe der Stasi ein neues Leben beginnen. Was das vor allem für seine Söhne bedeutete, darüber berichtet Ich-Erzähler Tommy. Allgegenwärtige Bespitzelung und der Verlust freier Entscheidungen war das, was neben dem Fehlen der gewohnten materiellen Güter den beiden Jungen am meisten zu schaffen machte. Sie stellten einen Ausreiseantrag, der sie ins Visier der Staatssicherheit brachte und schließlich ins Gefängnis. Schikane und perfide Verhörmethoden brachen jeden Widerstand. Schonungslos erzählt Tommy von diesen unmenschlichen Zuständen – eine wichtige Warnung davor, dass zu totalitären Staaten immer solche Instrumente des Machterhalts dazugehören. Auch ein Beitrag zur deutschen Zeitgeschichte, da auf wahren Begebenheiten beruhend.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das falsche Leben
Maja Nielsen
Gerstenberg (2025)
189 Seiten : Karte, Illustrationen
fest geb.