Zu faul zum Nichtstun
Der Autor wünscht sich, einfach im Café zu sitzen und den Tag zu genießen. Stattdessen ertappt er sich, genau diese Mußezeit am Handy zu vergeuden, um abends über Zeitnot zu klagen. Er philosophiert mit sich selbst und kommt zur Frage: „Sind
wir einfach zu faul zum Nichtstun geworden?“ Die kleinen Episoden zeugen von sehr genauen Beobachtungen der Umwelt und der Kunst, den Widersinn der Jetztzeit pointiert zu Papier zu bringen. Zum Beispiel fragt sich Horst Evers, wie es sein kann, dass eine gutgehende Postfiliale geschlossen wird und ihm dies als „kundenfreundliche Verbesserung“ vermittelt wird, da er nach der Schließung seine Pakete drei Straßen weiter bei einem ihm unbekannten Menschen abholen muss. Genial geradezu ist die Erklärung, weshalb die Verschleppung beim Bau des Berliner Flughafens in Wirklichkeit eine verkannte Fürsorge der Bauherren den Bewohnern der Stadt Berlin ist. Horst Evers liest seinen Text selbst, dadurch sitzen Betonung und Pointe exakt, ist alles sehr authentisch und überzeugend. Für Büchereien mit interessierter Hörerschaft sehr zu empfehlen.
Leoni Heister
rezensiert für den Borromäusverein.
Zu faul zum Nichtstun
Horst Evers
argon hörbuch (2024)
1 mp3-CD (circa 346 min)
mp3-CD