Sommerhaus

Cover und Titel lassen eine leichte, Joyce-typische Sommerlektüre erwarten, doch der Originaltitel „A homemade god“ weist auf ein Familiendrama mit Tiefgang hin. Die Bestseller-Autorin („Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“) zeigt Sommerhaus sich in ihrem aktuellen Roman von einer neuen Seite: Die Geschichte eines bekannten Künstlers, der seine vier erwachsenen Kinder zu seiner überraschenden Hochzeit mit einer über 40 Jahre jüngeren Frau in die Familienvilla am Ortasee einlädt, analysiert, wie viel Selbsttäuschung eine Familie über Jahre am Laufen halten kann. Als der Vater plötzlich unter dubiosen Umständen im See ertrinkt, trifft sich die ganze Familie in der italienischen Villa am See mit freskengeschmückten Räumen und muss feststellen, dass es der Vater war, der die Familie zusammengehalten hat. Die junge Braut Bella-Mae, die anfangs wie ein nerviger Eindringling wirkt, entpuppt sich als Katalysator. Sie bringt die Abhängigkeit der Geschwister voneinander ans Tageslicht, ebenso wie deren Abhängigkeit vom Vater und seinen Finanzen. Die Geschwister machen „eine neue – berauschende - Erfahrung, für sich selbst einzutreten und festzustellen, dass sie überleben konnten“, dass sie „in die Welt hinaustreten und als eigenständige Individuen … funktionieren“ konnten. Die scheinbar glückliche Kindheit der drei Töchter und des ebenfalls künstlerisch begabten, aber dem Vater nur assistierenden Sohns wird – etwas langatmig – erzählt: ein berühmter Vater, der sich nach dem frühen Tod der Mutter um die Kinder gekümmert hat. Doch immer mehr Fragen und Ungereimtheiten tauchen auf: über den Künstler und das letzte unauffindbare Meisterwerk. Ein idealer Ferien-Schmöker!

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Sommerhaus

Sommerhaus

Rachel Joyce ; aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebnet
Thiele (2026)

477 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625968
ISBN 978-3-85179-622-3
9783851796223
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.