Alten Mann braucht niemand mehr
Der 69-jährige Witwer Otto steht „mitten im Leben“, obwohl an seinem Gartentor steht: „Alten Mann braucht niemand mehr“. Er beobachtet auf seinen täglichen Spaziergängen die Umgebung und lebt mit seinen Mitmenschen gut zusammen, z.B. in
einem Rentnertreff im Park oder er befreundet sich mit neugierigen Kindern. Freude bereiten ihm die Musik (Beach Boys, Johnny Cash) und die Natur. Sogar die Krähen füttert er, was nicht gern gesehen wird. Amüsant sind seine Begegnungen mit der modernen Welt. Zum Beispiel verfolgt er einmal Schreie aus der Nachbarschaft, die womöglich nach Hilfe rufen. In Wirklichkeit ist es nur ein Produkt neuer Unterhaltungselektronik von jungen Leuten. Fehlalarm! Das Leben ist durchzogen von Überraschungen, Freiheit und Gelassenheit, was zu gewissem Stolz auf das Geleistete beiträgt. Gedanken über den Sinn des Lebens, über Sterben und Tod erspart er sich trotzdem nicht. Der Schriftsteller Kurt Oesterle (Jahrgang 1955) zeigt durch seine Schilderungen, wie man auch im Alter Mensch bleiben kann.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Alten Mann braucht niemand mehr
Kurt Oesterle
molino (2023)
251 Seiten
fest geb.