Simone
Weil die kleine schwächliche Wally Tag und Nacht Betreuung braucht, heuert Wallys Mutter kurzerhand Simone als Babysitter an, ein freundliches Flusspferd. Simone kümmert sich verantwortungsvoll um das Kleinkind. Doch als der Schuleintritt bevorsteht,
beschließt Simone, dass Wally noch etwas erleben soll. Die beiden begeben sich auf eine Reise, die sie über den Fluss bis ans Meer führt. – Dem zarten Kind eines der größten Landtiere zur Seite zu stellen, ist schon eine ausgefallene Idee, die zeichnerisch völlig plausibel umgesetzt wird. Das breitformatige Bilderbuch wird dem massiven Körper des Flusspferdes gerecht; viele der Seiten werden von ihm fast ganz ausgefüllt. Besonders witzig gelingt dies in den Ansichten aus der Vogelperspektive, in denen Simone und ihre Artgenossen als wulstige Massen die Flächen füllen. Was das Kind mit dem Tier erlebt, ist eine traumwandlerische Reise, die von der innigen Verbindung der beiden getragen wird. Hier droht keine Gefahr – das Abenteuer, das Wally erlebt, ist ein Eintauchen ins Unwahrscheinliche und Absurde, ist ihre geradezu intime Vertrautheit mit dem monströsen Tierkörper, in dem ein so sensibles Wesen lebt. Man darf die Werke des Autors und Zeichners getrost mit den Filmen von Wes Anderson vergleichen: Beide spielen mit dem Skurrilen im Normalen, bei beiden changieren die Effekte zwischen Staunen, Gruseln und Anziehung. Den Kindern bieten Heidelbachs Bücher eine frühe Begegnung mit surrealen Welten, die eine starke Sogwirkung ausüben!
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Simone
Nikolaus Heidelbach
von Hacht (2026)
[48] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 5