Ich träumte von einer Bestie
Die 33-jährige Fleur Martin ist fasziniert von alten Märchen und stellt sich in ihrer Tätigkeit als Datenforensikerin auf die Seite der Andersartigen oder Schwachen. Den meisten Menschen begegnet Fleur jedoch mit Misstrauen und hält nicht nur ihre
gelegentlichen Männerbekanntschaften auf Distanz, auch ihr Halbbruder Max kriegt die vorauseilende Schutzhaltung zu spüren. Als nach einem Todesfall der tabuisierte väterliche Familienteil ins Licht rückt, ist es Max, der Fleur überredet, sich ihrer verdrängten Kindheit zu stellen und sie nach Luxemburg und Frankreich begleitet. Auf der Suche nach einem gestohlenen Reliquiar und ihrer Abstammung stößt Fleur auch auf die Legende der „Bestie von Gévaudan“, einem (Wer-?) Wolf, der im 18. Jh. gewütet haben soll und heute touristisch vermarktet wird. Besteht gar eine Verbindung zu ihrem wiederkehrenden Alptraum als Gejagte in einem Wald? - Auf Basis historischer Fakten (vgl. auch ihren Jugendroman „Wolfszeit“, BP/mp 358277) entwickelt die Autorin eine Spurensuche in der atmosphärisch geschilderten Auvergne aus der Ich-Perspektive, ganz ohne Rückblenden oder Zeitsprünge. Parallel zu Fleurs Recherchen nähert sich die Leserin dem schambesetzten Geheimnis, das hinter dem widerborstigen und von Wut geprägtem Verhalten der Protagonistin steckt. Langsam öffnet sich diese anderen Menschen und ermöglicht sich so eine freiere Zukunft. Eine eindeutige Leseempfehlung für diesen stimmungs- und spannungsvollen Roman!
Barbara Sckell
rezensiert für den Borromäusverein.
Ich träumte von einer Bestie
Nina Blazon
HarperCollins (2023)
447 Seiten
fest geb.