Das Postamt der verlorenen Briefe
Die Wissenschaftlerin Risa ist für einen Monat auf die kleine Insel Awashima gekommen, eine japanische Insel, die es tatsächlich gibt und auf der es ein Postamt gibt, in dem Briefe aufbewahrt werden, die nicht zustellbar waren. Sie soll diese Briefe
katalogisieren. Von den Bewohner:innen wird sie herzlich empfangen, insbesondere vom jungen Koch des Restaurants. Es stellt sich heraus, dass sie von Kind an von der Vergänglichkeit von Adressen fasziniert war und auch persönliche Gründe für ihre Recherche hat, denn sie sucht verlorene Briefe ihrer verstorbenen Mutter. Während Risa Briefe liest, sortiert und bewahrt, öffnen sich ihr nach und nach die Lebensgeschichten Unbekannter: von Liebe und Schuld, von Verlust und Hoffnung, von all dem, was Menschen nicht auszusprechen wagen. Gleichzeitig beginnt auf der Insel eine zarte Annäherung an eine neue Liebe. Die Geschichte ist ein Loblied/Abgesang auf die Post und das Briefeschreiben, ein nostalgischer Rückblick auf Vergangenes in unserer digitalen Welt. Auch die Sprache ist altmodisch: Protagonisten werden mit „Herr“ und „Frau“ eingeführt. Unterbrochen wird die Geschichte in kursiver Schrift mit anrührenden Briefen, die verloren gingen. Ein poetischer Roman über die Macht des Schreibens, über zu Papier gebrachte Gefühle und die tröstliche Vorstellung, dass keine Geschichte jemals ganz verloren geht. Ein Wohlfühlbuch für alle, die an die Kraft der Worte glauben mit vielen Lebensweisheiten für alle, die dem Alltag (ein wenig) entfliehen möchten.
Ileana Beckmann
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Postamt der verlorenen Briefe
Laura Imai Messina ; aus dem Italienischen von Judith Schwaab
btb (2026)
315 Seiten
fest geb.