Messias
Der Auftragskiller Nathan wird bei seinem letzten Einsatz verraten und gerät in die Hände eines mächtigen Konsortiums namens „Eminenz“. Zwar gelingt ihm die Flucht nach Gibraltar zu seiner Freundin Sierra, die jedoch spurlos verschwunden ist.
Parallel dazu tritt ein Mann namens Simon auf die Weltbühne. Er bezeichnet sich als Messias, verspricht die Befreiung der Menschheit und vollbringt scheinbar echte Wunder: Heilungen, sogar die Auferweckung von Toten. Gleichzeitig erscheint er an verschiedenen heiligen Orten rund um den Globus – von Mekka über Jerusalem bis Tibet – und stellt religiöse wie politische Machtstrukturen radikal infrage. Seine Anhänger versammelt er auf einer Südseeinsel namens Terranova, wo er eine neue Gemeinschaft gründet und eine Welt ohne Krieg, Hunger und Leid verkündet. Während Regierungen, Geheimdienste und Religionsgemeinschaften in Panik geraten, bleibt die zentrale Frage offen: Ist Simon ein göttlicher Erlöser, eine außerirdische Intelligenz oder verfügt er über übernatürliche Kräfte? Hat er gar etwas zu tun mit dem rätselhaften Konstrukt, das von der Sternwarte Genf auf dem Mond entdeckt wurde? Die Regierung schickt ein Raumschiff zum Mond, um dem auf den Grund zu gehen ... – Brandhorst stellt religiöse und weltliche Machtstrukturen radikal infrage und hat auch eine Botschaft: Die Menschheit muss ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, statt auf einen Retter zu hoffen. Die Grundidee ist zweifellos spannend, verbindet Science-Fiction mit wissenschaftlichen, philosophischen und existenziellen Fragestellungen und spricht auch mögliche außerirdische Intelligenz an. Doch die Umsetzung ist fragwürdig. Die Handlung wirkt über weite Strecken konstruiert und völlig absurd. Viele Figuren bleiben blass und agieren wenig glaubwürdig. Wiederholende, teils unlogische Szenen beeinträchtigen den Lesefluss deutlich. So bleibt am Ende ein Genre-Mix aus Thriller und Science-Fiction, der zwar ambitioniert ist, sein Potenzial jedoch nicht ausschöpfen kann.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Messias
Andreas Brandhorst
Heyne (2026)
573 Seiten
fest geb.