Wir werden jung sein
Vier schwerkranke Probanden einer Studie eines neuen Herzmedikaments stellen plötzlich Veränderungen fest: Der alte, kurz vor einem Bilanzsuizid stehende Unternehmer fühlt sich ungeahnt vital. Die längst im Sportlerruhestand stehende Schwimmerin
bringt plötzlich Bestzeiten, der lange unerfüllte Kinderwunsch der Mitvierzigerin geht in Erfüllung und der herzkranke 16-Jährige kann sich plötzlich mit einer Freundin treffen, nur sein Körper funktioniert nicht, wie erwartet. Es stellt sich heraus: Das Herzmedikament macht die Testpersonen als Nebenwirkung erfolgreich jünger. Schnell wird die Sache bekannt und zur Staatsangelegenheit. Pharmakonzerne und Regierungen wollen die Rezeptur, der Erfinder wird entführt und von einer Untergrundbewegung gezwungen, die Herstellungsformel preiszugeben, damit nicht nur reiche Menschen profitieren. Die vier Probanden werden auf Regierungsanweisung in strengster Quarantäne isoliert, doch ihnen gelingt die Flucht. Das weitere Leben zeigt Fluch und Segen der ewigen Jugend: Der Unternehmer steht vor den Scherben seines Lebens, die junge Mutter kommt in einer Kommune unter, die Schwimmerin bringt weiter Höchstleistungen und der Junge verliert seine Freundin, weil er im Kopf zwar 18 ist, sein Körper aber erst 13. Und welche Auswirkungen wird das Ganze auf die Weltbevölkerung, die Umwelt und die Gesellschaft haben? Am Ende bleibt für Leser:innen die selbst zu beantwortende Frage, ob und wie ewiges Leben erstrebenswert ist? - Bedenkenswerte und sehr lesenswerte Dystopie.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir werden jung sein
Maxim Leo
Kiepenheuer & Witsch (2024)
300 Seiten
fest geb.