Ein grenzenloser Sommer
Im Sommer 1987 heuert Ronni auf der MS Arkona als Schiffssteward an. Das große Kreuzfahrtschiff, nun unter der Flagge der DDR, war zuvor unter dem Namen Astor, besser bekannt als "Traumschiff", unter BRD-Flagge unterwegs. Nun sticht das Schiff in
See mit ausnahmslos westdeutschen Passagieren und ostdeutscher Besatzung. Auf Ronnis erster großer Fahrt begegnet er Sabine, einer jungen Studentin aus Frankfurt am Main, die mit ihrer Tante Hilde reist. Die beiden verlieben sich ineinander, doch scheint die Liebe aussichtslos zu sein. Bespitzelungen von Kameraden führen dazu, dass sich Ronni gedrängt fühlt, für die Stasi zu arbeiten und selbst wiederum Sabines Tante auszuhorchen. Die Lage spitzt sich zu, als Ronni über Flucht nachdenkt. – Ralf Günther erzählt in seinem Roman ein wichtiges Stück deutscher Zeitgeschichte. Es gelingt ihm, ost- und westdeutsche Denkweisen, Zwänge und Sehnsüchte realistisch darzustellen und spannend und authentisch zu beschreiben. Die Verknüpfung von Ronnis und Sabines Liebesgeschichte mit der Barschel-Affäre eröffnet eine weitere zeitgenössische und politisch hoch brisante Ebene, die zum Spannungsbogen beiträgt. Sehr empfehlenswert.
Kirstin Kreis
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein grenzenloser Sommer
Ralf Günther
Rowohlt Kindler (2025)
301 Seiten
fest geb.