Der Kuckuck
Als Ella 1994 schwanger wird, will die knapp 30-Jährige ihre Freude darüber auch mit ihren Eltern teilen. Dabei erfährt sie, dass sie adoptiert wurde und damals nur ein Medaillon mit dem Namen „Kaspar“ trug. Die Suche nach ihrer Herkunft führt
die erschütterte Ella in das Nördlinger Ries, in dem drei Mädchen in den 1920er-Jahren eng befreundet waren: Babett, die von einem angesehenen Bauernhof kam und dort mit ihrem Mann und ihren Kindern blieb, Rosl, deren verarmte Familie im Dorf verachtet wurde, und Evelin vom Gutshof, die später nach Nürnberg zog. Zwei von ihnen stehen in engem Zusammenhang mit Ellas Herkunft. Durch die noch lebende Krankenschwester, die bei Ellas Geburt dabei war, lernt Ella ihre wahre Mutter kennen und erfährt, dass auch ihr Vater ein Kuckuckskind war. Mayer beschreibt eindrucksvoll das harte Leben von Frauen auf dem Land Anfang des 20. Jh., das traumatische Erleben eines Kuckuckskinds und die Suche einer werdenden Mutter von heute nach ihrer Identität. Die durch die Angabe von Orten und Jahreszahlen getrennten, ständig wechselnden Handlungsstränge sind dramaturgisch gekonnt aufeinander abgestimmt und tragen dadurch zur Spannung des Romans bei.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Kuckuck
Gina Mayer
Piper (2025)
426 Seiten
fest geb.