Wasser
Vanessa Carvin, 52, begibt sich auf eine einsame irische Insel, um Abstand vom Chaos ihres Lebens zu finden und dieses Leben neu zu ordnen. Ihr Mann Brendan Carvin, überall bekannt, streng gläubiger Katholik mit stark konservativen Vorstellungen,
Vorsitzender des nationalen Schwimmverbands, wird des Missbrauchs junger Schwimmerinnen angeklagt. Er hat wohl auch seine Tochter Emma missbraucht, die sich das Leben nimmt. Die Mutter wird nicht stutzig, als sie um ein Schloss für ihr Zimmer bittet. Die Familie zerbricht. Das Leben in Wohlstand und Ansehen endet. Brendan kommt ins Gefängnis, Vanessa zieht sich auf die Insel zurück, voller Schuldgefühle. Dort begegnet sie verschiedenen Inselbewohnern, so dem Pater aus Nigeria, der Nachbarin und deren Sohn Luke, mit dem sie eine kurze, heftige Beziehung beginnt. Das beruhigt ihre turbulente Existenz. Am Ende der Geschichte kehrt Vanessa aufs Festland zurück. John Boyne erzählt in diesem Roman mit Novellencharakter („unerhörte Begebenheit“ nach Goethe) eine Geschichte voller Verzweiflung, Selbstanklage und unbeantworteten Fragen. Er zeichnet dazu auch ein düsteres Bild des Lebens der Inselbewohner. Dennoch eine faszinierende Lektüre. Für alle Büchereien sehr empfohlen.
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wasser
John Boyne ; Übersetzung aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
Piper (2025)
141 Seiten
fest geb.