Schwebebahnen

Denkt man an Wuppertal, fallen einem zuerst die Schwebebahn und der legendäre abgestürzte Elefant ein. Hanns-Josef Ortheil, selbst als Kind in Wuppertal wohnend, erzählt autobiografisch angehaucht in seinem neuen Roman die Geschichte (eigentlich Schwebebahnen seine eigene) der späten 50er Jahre, die Geschichte der Familie von Josef und seinen Eltern, seiner Freundin "Mücke" und ihren Eltern, die Mutter stammt aus Sizilien, der Vater hat im Krieg ein Bein verloren, und wie sie alle durch die schwierigen Zeiten kommen, immer wieder geprägt von der Angst vor einem neuen Krieg. Und die Schwebebahn zieht beruhigend ihre Runden. Josef, ein musikalisch außerordentlich begabter Junge, hat von Anfang an Schwierigkeiten in der neuen Stadt Wuppertal, in der die Eltern versuchen, ihm einen Neuanfang in der Grundschule zu ermöglichen, da er in Köln aufgrund seiner Talente immer gehänselt worden ist. Auch in Wuppertal ergeht es ihm beim Versuch, "normal" zu werden, nicht viel besser. Doch da ist seine Freundin Mücke, ein Jahr älter als er; beide unzertrennlich und mit großem Verständnis füreinander. Daneben gibt es noch die Schulrektorin, die Josefs Talente, seine Besonderheiten erkennt und lange Gespräche mit ihm führt, oder den Pater de Kok, der Josef musikalisch fördert. Josef lebt in seiner eigenen Welt, alles ist von Klängen geprägt. Die Musik, die Geschichten, die er aufschreibt, und Mücke verleihen ihm Halt. – Ein außerordentlicher Roman, der Stimmung und Zeitgeist literarisch einfängt, rührend, bewegend. Allen Büchereien sehr empfohlen.

Wilfried Funke

Wilfried Funke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Schwebebahnen

Schwebebahnen

Hanns-Josef Ortheil
Luchterhand (2025)

318 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 755187
ISBN 978-3-630-87784-6
9783630877846
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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