Gliff
In ihrem dystopischen Roman „Gliff“ entwirft Ali Smith eine nahe Zukunft in Großbritannien, die von digitaler Überwachung und gesellschaftlicher Ausgrenzung geprägt ist. Erzählt wird aus der Perspektive der Geschwister Briar, genannt Bri, und
Rose. Als die Kinder eines Tages nach Hause zurückkehren, entdecken sie eine Linie aus nasser roter Farbe um ihr Grundstück. Wer auf diese Weise markiert wird, gilt als „unverifizierbar“ und wird aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Verantwortlich dafür ist der mächtige Konzern „Superbe Grenzen“. Auf ihrer Flucht begegnen Briar und Rose weiteren Widerständlern und schließen sich dem geheimnisvollen Pferd namens Gliff an. Diese titelgebende Bezeichnung stammt aus dem Schottischen und kann unter anderem „plötzlicher Schrecken“, „flüchtiger Moment“ oder „Spur“ bedeuten. – Der sprachlich ungewöhnliche Roman überzeugt weniger durch seine Handlung als durch die eindringliche Darstellung einer technologisch kontrollierten Gesellschaft. Der experimentelle Sprachstil wurde in der deutschen Übersetzung von Stefanie Jacobs kongenial umgesetzt.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gliff
Ali Smith ; aus dem Englischen von Stefanie Jacobs
Luchterhand (2026)
302 Seiten
fest geb.