Nostalgia
Kubiczeks Eltern lernen sich während ihres Studiums in Moskau kennen. Um heiraten zu können, benötigt die Mutter einen Pass der DDR, muss Mitglied der SED werden und verliert dadurch ihre laotische Staatsangehörigkeit. Da sie die DDR nicht mehr
verlassen darf, kann sie ihre laotische Familie, die ihre Entscheidung nicht versteht, nicht mehr besuchen. Immerhin erhält sie einen lukrativen Job als Übersetzerin, doch nie wird sie in der DDR heimisch. Nicht nur sie, sondern auch ihr Sohn André wird wegen seines asiatischen Aussehens immer wieder ausgegrenzt, noch dazu leidet ihr jüngerer Sohn Aleng nach einem Unfall an einer geistigen Behinderung. – Mit diesem Buch setzt Kubiczek seiner mit nur 42 Jahren verstorbenen Mutter ebenso ein Denkmal wie seinem jüngeren Bruder, der im Alter von 17 Jahren ein Jahr nach ihr starb. Kubiczek gelingt es, die Perspektive des Kindes, das er einmal war, aus der personalen Erzählsituation heraus einzunehmen und schafft damit die nötige Distanz, um die Welt seiner entbehrungsreichen Kindheit wieder aufleben zu lassen. Das Buch macht über die individuelle Biografie des Autors hinaus deutlich, dass es auch in der DDR Ressentiments gegen Migranten gab.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Nostalgia
André Kubiczek
Rowohlt Berlin (2024)
396 Seiten
fest geb.