Akikos lange Reise
Eigentlich dreht sich in Japan vieles (vielleicht nahezu alles) um die Arbeit: Einsatz für die Firma bis in die Nacht und Überstunden sind an der Tagesordnung, danach mit den Kolleg:innen noch in die Bar. Akiko wagt den Absprung: die junge Buchhalterin
kündigt ihren sicheren Job und merkt schnell, dass sie nun zwar frei, aber irgendwo auch orientierungslos ist. Wie soll sie ihre Tage gestalten und die neu gewonnene Freiheit sinnvoll nutzen? Sie möchte ein Buch schreiben und die Reise nach Paris nachholen, die ihre verstorbene Mutter nicht mehr unternehmen konnte. Außerdem macht sie sich auf die Suche nach ihrem Vater, der die Familie vor vielen Jahren verlassen hat und den Akiko gar nicht richtig kennt. Er lebt sehr zurückgezogen als erfolgreicher, aber menschenscheuer Töpfer. – Wie im Vorgänger „Akikos stilles Glück“ (BP/mp 25/274) spielt auch die Freundschaft mit Kento, einem Hikkomori, der sich nahezu vollkommen aus dem sozialen Umfeld zurückgezogen hat, zuhause bleibt und allenfalls nachts unterwegs ist, eine große Rolle. Jan-Philipp Sendker hat lange als Korrespondent in Asien gelebt und vermittelt viel von der Atmosphäre des Alltags junger Japaner. Ungekürzt von Leonie Landa gelesen, bietet der Roman eine bemerkenswerte, ebenso nachdenkliche wie mutmachende Reise ins heutige Japan und die eigene (Familien-)Geschichte.
Felix Stenert
rezensiert für den Borromäusverein.
Akikos lange Reise
Jan-Philipp Sendker ; gelesen von Leonie Landa
Random House Audio (2025)
2 mp3-CDs (circa 496 min)
mp3-CD