Der stille Freund
Schon oft hat Ferdinand von Schirach seine Erzählkunst und seine Liebe für die Sprache unter Beweis gestellt. Seine Bücher scheinen einen Platz auf der Bestsellerliste abonniert zu haben. Das neue Werk versammelt – kurze wie längere – Erzählungen,
darunter Betrachtungen, historische Ereignisse, biografische Skizzen. Nicht immer kann man Fiktion und Bericht trennen. Für Schirach steht der Mensch im Mittelpunkt, Wendungen in der Biografie, Schicksalsschläge und lange Freundschaften gehören ebenso dazu wie Fragen nach Verantwortung, Moral, Schuld und Strafe. Schirach zeichnet aus, dass er auch Unfassbares und kaum zu Ertragendes wie die Hinrichtung eines NS-Gegners und den grausamen Überfall von Hamas-Kämpfern auf Israelis nüchtern (fast objektiv) in wenigen Worten darstellen kann. Manches wirkt nach oder regt zur weiteren Beschäftigung an. Der Autor liest selbst und sorgt so für mehr als vier Stunden Unterhaltung mit Anspruch.
Felix Stenert
rezensiert für den Borromäusverein.
Der stille Freund
Ferdinand von Schirach ; gelesen vom Autor
der Hörverlag (2025)
4 CD (circa 251 min)
CD