Rath
Offiziell ist Gereon Rath tot. – Dann erhält der in den USA untergetauchte Ermittler die Nachricht, dass sein Vater im Sterben liegt. So kehrt Gereon ins Rheinland zurück und lebt verdeckt beim ehemaligen Oberbürgermeister Kölns, Konrad Adenauer.
Seine „Witwe“ Charly beschäftigen in Berlin gleich mehrere Verbrechen. Nur selten können sich Charly und Gereon inkognito treffen. Ihr ehemaliger Ziehsohn Fritze Thormann lebt inzwischen in der Familie eines linientreuen Parteimanns. Als ein Hitlerjunge ermordet wird, fällt der Verdacht auf Fritze. Zusammen mit einem jüdischen Freund flüchtet er und macht sich auf den gefährlichen Weg Richtung Polen. Fritzes Freundin Hannah ist interniert und soll aus Gründen der „Rassenhygiene“ sterilisiert werden; sie wird den Eingriff allerdings nicht überleben. Im zehnten (und wohl letzten) Roman schildert Volker Kutscher die Geschehnisse im Herbst 1938. Die NS-Regierung ist seit mehr als fünf Jahren an der Macht. Verwaltung und Polizei wird von Parteimitgliedern dominiert und die Verfolgung von Sozialisten, Andersdenkenden und Juden findet ihren bisherigen, oft grausamen, Höhepunkt. Im November kommt es zu Pogromen und Gräueltaten gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Wie immer widmet sich Kutscher auch der Sozial- und Ereignisgeschichte und zeigt, dass selbst überzeugte Parteigenossen dunkle Geheimnisse haben können. Auch wenn am Ende manches offenbleibt (oder man nur spekulieren kann), wird deutlich: dunkle Zeiten werden kommen. Einmal mehr beweist David Nathan, welch grandioser Erzähler er ist: rund 19 Stunden bietet seine (gekürzte!) Lesung spannende Unterhaltung. Wenn die vorherigen Teile (zuletzt: Transatlantik – BP/mp 23/555) im Bestand sind, zum Abschluss der Serie unverzichtbar.
Felix Stenert
rezensiert für den Borromäusverein.
Rath
Volker Kutscher ; gelesen von David Nathan
Osterwold audio (2024)
3 mp3-CDs (circa 1.117 min)
mp3-CD