Die Elefanten
Urplötzlich stehen überall in der Stadt große Elefanten, auf den Plätzen, in den Straßen, ja sogar in den Wohnungen der Menschen. Die Menschen nehmen die Tiere und die damit verbundenen Einschränkungen hin, das autoritäre System reagiert ebenso
planlos wie gewohnt diktatorisch und arrangiert sich schließlich mit der Existenz der Tiere. Nur der Comedian Pawel kann sich mit der Realität nicht abfinden und ruft dazu auf, sich dem Problem zu stellen. Das kostet ihn zunächst seine große Liebe Anna, dann wird er ins Gefängnis gesteckt und brutalst gefoltert. – Der im Schweizer Exil lebende weißrussische Autor Filipenko hat eine anfangs scheinbar humorvolle, dann aber immer verstörendere Tragikomödie über die Mechanismen autoritärer Herrschaftspolitik und die Ohnmacht des Einzelnen geschrieben, ein Stück absurdes Theater mit einem grausamen Ende. In den Erzähltext eingestreute Chatverläufe, Regierungsverlautbarungen usw. verdeutlichen noch die Absurdität der Geschehnisse, aber auch die Unfähigkeit der Menschen, dem totalitären System zu entrinnen. – Ein ebenso verstörender wie fantastischer Roman mit hoher Spannung, ein Pageturner, dem man viele Leser:innen wünscht – und ein Buch, das sich auch perfekt als Lektüre in gymnasialen Oberstufen und in Uni-Seminaren eignen würde.
Michael Sanetra
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Elefanten
Sasha Filipenko ; aus dem Russischen von Ruth Altenhofer
Diogenes (2026)
254 Seiten
fest geb.