Samtschwarz die Nacht
Die Violinistin Elise Jacobi ist – 20 Jahre nach den Ereignissen des zweiten Bandes (vgl. BP/mp 23/708, 24/721) – inzwischen mit dem Arzt Leitner verheiratet. Ihre Adoptivtochter Netty ist eine ebenso begabte Tänzerin wie ihre Mutter. Elises Sohn
Julius ist ein begabter Pianist. Bei einem Privatkonzert für die jüdische Bankiersfamilie Cohn lernt er deren Tochter Rachel kennen. Die jungen Leute verlieben sich, wissen aber um die Schwierigkeit einer Verbindung über Religionsgrenzen hinweg. Rachel gehört zu den mutigen Frauen ihrer Zeit, die eine Berufsausbildung anstreben. Elise belastet es schwer, dass Julius nicht weiß, dass ihre große Liebe, der Dekorationsmaler Christian Hildebrand, sein Vater ist. Hildebrand musste 1849 infolge des Aufstands in Dresden fliehen und lebt seither in Zürich. Nach dem Brand des Opernhauses, bei dem Netty in große Gefahr geriet, kann er nach Dresden zurück, ebenso Architekt Semper. Dabei trifft er Elise wieder und auch seinen Sohn. Zuletzt konvertiert Rachel, um in einem Lehrerinnen-Seminar ausgebildet werden zu können. – Auch im letzten Teil der Trilogie um die Semperoper lässt Stern eine Vielzahl von Personen aus verschiedensten Schichten auftreten, um die gesellschaftliche Situation auch außerhalb des Opernbetriebs zu beleuchten. Kernthema ist dabei die Emanzipation der Juden in Sachsen und die Bestrebung von immer mehr Frauen, ihr Glück nicht allein in einer Ehe zu suchen. So genau Stern gesellschaftliche Hintergründe beschreibt, so geschickt packt sie die Zeitumstände in glaubhafte Episoden mit starken Charakteren.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Samtschwarz die Nacht
Anne Stern
Rowohlt Polaris (2024)
Das Opernhaus ; Band 3
406 Seiten : Karte
kt.