Tage mit B.
Ihre Sommerendferien verbringen der 13-jährige Simon, seine stets fröhliche fünfjährige Schwester Emilia und die 15-jährige Patentochter ihres Vaters in der fiktiven Ortschaft Klein-Hilke an der Elbe. Simon, fürsorglich und einfühlsam, erforscht
Insekten und hat einen Blick für das Besondere. So gelingt ihm eine schrittweise Annäherung an Bernadette, die nur noch B. genannt werden möchte und als unzugänglich und schwierig gilt. Sie leidet unter Anorexie, aber mehr noch unter ihrer Suche nach einem reinen Leben, geprägt von Konsumverzicht und Schuldgefühlen für gesellschaftliches Versagen, Ausbeutung, Unmenschlichkeit und Umweltzerstörung. Simon beobachtet ihr asketisches Leben, nimmt teil an philosophischen Gedanken, die sie in ein blaues Heft schreibt und an ihren eigenen Überlegungen, die sie in einem gelben Heft festhält. Ihre Andersartigkeit verändert auch seine Wahrnehmung. Beim täglichen Schwimmen in der Elbe lässt B. sich und ihre Gedanken vom Wasser tragen und erkennt in einem kritischen Moment:" Man darf nicht gegen die Strömung ankämpfen, man muss sich ihr ergeben." Ist ein "normales" Leben für sie wieder möglich, nachdem sie sich Simon geöffnet, seine Nähe und sogar seine Berührung zugelassen hat? – Kein leichter Jugendroman mit vielen Anspielungen auf philosophisches, gesellschaftskritisches und religiöses Gedankengut. Auch das Cover fordert nicht gerade zur Lektüre auf. Dennoch ist "Tage mit B." stilistisch, sprachlich und thematisch für größere Bestände sehr zu empfehlen, da es viele Gedanken und Ängste der jungen Generation widerspiegelt.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Tage mit B.
Nikola Huppertz
Tulipan Verlag (2026)
204 Seiten
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 14