Tod zwischen den Zeilen
In der Biblioteca Merula wurden aus alten Büchern wertvolle Illustrationen herausgeschnitten und wertvolle alte Bücher sind ganz aus dem Bestand verschwunden. Das ist nicht nur ein großer Schaden, sondern auch noch besonders peinlich, weil die verschwundenen
Bände eine Zuwendung durch eine Mäzenin aus der guten venezianischen Gesellschaft waren. Es stellt sich schnell heraus, dass die Bibliothek von einem notorischen Bücherdieb mit falscher Identität ausgeraubt wurde. Aber dann wird ein langjähriger Benutzer der Bibliothek brutal ermordet. Commissario Brunetti, selbst früher Leser in der Bibliothek, erfährt im Laufe seiner Ermittlungen viel über die dunklen Geschäfte mit alten Büchern und hat viel Gelegenheit, über die Schlechtigkeit der Welt nachzusinnen. - Donna Leon ließ sich - das wird im Buch auch erwähnt - zu ihrem 23. Fall inspirieren von dem beispiellosen Fall der Biblioteca dei Girolamini in Neapel, der in den Medien hohe Wellen schlug. Die Bibliothek wurde durch den Direktor mit Beihilfe eines deutschen Antiquars systematisch ausgeplündert. Im Februar 2015 wurden über 500 beschlagnahmte wertvolle Bücher von der bayerischen Justiz an den italienischen Staat zurückgegeben. Als Krimi zählt der 23. Fall von Commissario Brunetti eher zu den schwächeren Bänden der Reihe, aber für Liebhaber von Büchern und Bibliotheken ist er trotzdem eine nette Lektüre. (Übers.: Werner Schmitz)
Marion Sedelmayer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Tod zwischen den Zeilen
Donna Leon
Diogenes (2015)
276 S.
fest geb.