Bitte schick mir eine Droge

Der erste Gedichtband der Erzählerin Monika Helfer enthält Miniaturen aus dem Alltag, Naturbeobachtungen und märchenhafte Begebenheiten; Katzen, Igel und Zwerge laufen durchs Bild. Als rotem Faden lauschen wir den Gedanken des lyrischen Ichs übers Bitte schick mir eine Droge Altern und Abschiede, voller Wehmut und Sehnsucht. Es sieht dem nahenden Ende, dem Tod gelassen und versöhnlich entgegen, spricht von Särgen, geschlossenen Geschäften, welkenden Pflanzen und Menschen, schaut zurück auf die Kindheit und blickt voraus in die Zukunft, wenn es sich mit dem Kamm die Zähne bürsten wird, die Schrift ein Panorama aus Bergen und Ebenen und das Bett der Sarg sein wird (vgl. S. 48). Autobiografische Einflüsse sind bei den Versen über die Tochter denkbar; Helfer musste ihre eigene Tochter zu Grabe tragen. Wer sich auf die Gedichte einlässt, erkennt die Gleichzeitigkeit von Altern, Ende, Tod sowie Hoffnung, Dankbarkeit, der Schönheit der Natur. Ein Bild für diesen Kreislauf des Lebens ist der Leichenwagen, aus dem der Frühling tönt inmitten von Küssenden am Kanal (vgl. S. 29). – Zu den teils sehr abstrakten Gedichten, manchmal nur ein- oder zweizeilig, muss man erst einmal einen Zugang finden. Sie geben Andeutungen, lassen Leerstellen und Raum für eigene Interpretationen. Wer eingängige Reim- und Metrum-Schemata präferiert, wird sich mit der Lektüre eher schwertun. Büchereien mit großen Lyrikbeständen, Fans von Monika Helfer und moderner Lyrik ist der Band aber gern empfohlen.

Melanie Schubert

Melanie Schubert

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Bitte schick mir eine Droge

Bitte schick mir eine Droge

Monika Helfer
Hanser Verlag (2025)

99 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 755365
ISBN 978-3-446-28419-7
9783446284197
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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