Geheimnis
Die Autorin schildert in zehn persönlichen Geschichten einige prägende Ereignisse aus ihrer Kindheit. Mit ungefähr sieben Jahren findet sie auf der Straße einen Ring, den sie gerne behalten möchte. Doch ein anderes Mädchen scheint ihn verloren
zu haben und sie gibt ihn freiwillig zurück. Später trifft sie das Mädchen wieder und lernt etwas über die schmale Grenze zwischen Mitgefühl, Aufrichtigkeit, Bedürftigkeit und Betrug. In anderen Geschichten geht es um die Beziehung zur großen Schwester, den Tod der Mutter und eine kurze Zeit, in der die Kinder bei unterschiedlichen Verwandten wohnten, Erlebnisse mit dem Nachbarsjungen und die Persönlichkeit des Vaters. In allen Geschichten steht die Gefühlswelt des Mädchens mit intimen Gedanken und Wünschen sowie ihre Wahrnehmung der Welt im Vordergrund. Die Geschichten wirken trotz des 50er Jahre-Settings nicht aus der Zeit gefallen, sondern ermöglichen eine persönliche Identifikation und ein Anknüpfen an die eigene Biografie. Die Sprache ist einfach und schnörkellos, dennoch sensibel und lebendig. Zwischen den Texten finden sich farbige Illustrationen und kleine Schwarz-Weiß-Bilder bestimmter Szenen. Die leicht altbackene Aufmachung des Buches, das sich sowohl zum Vorlesen für Grundschulkinder als auch zum Selberlesen für 8-12-Jährige eignet, sollte nicht von dem zeitlosen Inhalt abschrecken. Ganz im Gegenteil kann und darf die Lektüre zum Erzählen von eigenen Erlebnissen aus der Kindheit im Dialog mit heutigen Kindern anregen.
Vanessa Görtz-Meiners
rezensiert für den Borromäusverein.
Geheimnis
Monika Helfer ; Illustrationen von Linus Baumschlager
Klett Kinderbuch (2025)
Wir Kinder von früher
70 Seiten : zahlreiche Illustrationen (teilweise farbig)
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 8