Mein privates Glück

Das Erzählen ist Michael Köhlmeier in die Wiege gelegt worden. Von der Großmutter hörte er Märchen, von der Mutter, die nach der Geburt des dritten Kindes ins Koma fiel, Krankheitsgeschichten. Der Vater bevorzugte Erzählungen aus der Geschichte, Mein privates Glück die Schwester war eine fanatische Leserin. Von der Kindheit erzählt Michael Köhlmeier in seinem neuen Buch. Es heißt „Mein privates Glück“ und ist, obwohl als Roman angekündigt, eine autobiografisch grundierte Familiengeschichte. Was sie so erzählenswert macht, ist die Kunst des Autors, die Geschichten aus der Kindheit, die die seine ist, in episodischer Dichte miteinander zu verknüpfen. Eine Kostprobe von Köhlmeiers hintersinnigem Humor ist das Schlusskapitel. Dort sitzt er im Beichtstuhl und erzählt, wie er einmal im Leben dachte, gleich werde er sterben: als er nämlich als Kind in das Haus eines Blinden eindrang und von ihm bemerkt wurde. Wie das aufgelöst wird, pointiert ganz wunderbar ein privates Glück, in dem der Schrecken und die Schönheit eine erzählerische Allianz schmieden. Die Kindheit erzählt Michael Köhlmeier im Sinne von Jean Paul als „Vollglück in der Beschränkung“ und, mit eigenen Worten im ORF-Trailer, wo der Roman als Audio gesendet wurde, als „Schale, aus der das weitere Kind springt“. Sehr empfehlenswert.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Mein privates Glück

Mein privates Glück

Michael Köhlmeier
Hanser (2026)

315 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625667
ISBN 978-3-446-28831-7
9783446288317
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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