Die Verdorbenen
"Einmal in meinem Leben möchte ich einen Mann töten." So möchte Johann auf die Frage seines Vaters nach einem Wunsch fürs ganze Leben antworten, was er aber nicht tut. In fortgeschrittenem Alter schaut Johann auf sein Leben und diese Art von Lebensmotto
zurück. In den 70er Jahren geht Johann nach Marburg, um dort zu studieren. Er trifft Christiane und Tommi, die eine mehr als toxische On-Off-Beziehung führen. Die beiden trennen sich und Johann und Christiane kommen zusammen, suchen und finden eine gemeinsame Wohnung. Doch auch diese Beziehung gestaltet sich schwierig. Tommi zieht bei ihnen ein, was die Situation weiter verschlechtert. Eines Tages reist Johann nach Hause, stiehlt den Eltern eine größere Summe, reist weiter nach Belgien und in Ostende findet er seine Bestimmung: Er tötet einen ihm völlig unbekannten Fremden am Strand. – Das Böse tobt sich in diesem Roman aus, denn nicht nur Johann mordet. Köhlmeier stellt geradezu philosophisch die Frage nach dem Bösen im Menschen, nach der Vorbestimmung durch das Böse. Mit ausgesuchten Worten drechselt Köhlmeier kunstvolle Sätze, eher zu einer Novelle, denn zu einem Roman. Ganz im Sinn der Goethe'schen Novellendefinition mit einer "unerhörten Begebenheit". Allen Büchereien sehr empfohlen. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis)
Wilfried Funke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Verdorbenen
Michael Köhlmeier
Hanser (2025)
157 Seiten
fest geb.