Die Liebe sucht ein Zimmer
Die junge Schauspielerin Sara ist Anfang 1942 Mitglied des Femina-Theaters im Warschauer Ghetto. Sie macht sich auf den Weg zur Premierenvorstellung, nicht ahnend, dass sie während der Dauer des Stückes eine überlebenswichtige Entscheidung treffen
muss. Regisseur Michal hat eine größere Geldsumme aufgetrieben, mit der er einen Wachhabenden bestechen kann, damit zwei Personen aus dem Ghetto fliehen können. Er möchte Sara mitnehmen, mit der er zeitweilig liiert war. Doch sie liebt inzwischen den Bariton Edmund, der sich wiederum um seine 13-jährige Schwester Esther kümmert. Zwischen den einzelnen Aufzügen versucht Sara eine Lösung zu finden, auch wenn sie dabei Michal und Esther erpressen muss. Zusätzliche Dramatik erhält die Aufführung durch einen SS-Mann, dessen Absichten unklar sind, aber die Ensemblemitglieder, die sich dem Widerstand angeschlossen haben, in Todesangst versetzt. – Das titelgebende Theaterstück entstand tatsächlich im Warschauer Ghetto. Safier fand es bei seinen Recherchen zu seinem Buch "28 Tage" über den Ghetto-Aufstand. Er komponierte um den erhaltenen Text eine tragische Situation, die in Variablen für so manchen Ghetto-Juden zugetroffen haben mag. Den launigen Liedzeilen stellt er das Ringen Saras um die richtige Entscheidung gegenüber. Durch die Zeitbegrenzung "nach der Vorstellung" ist alles Geschehen äußerst komprimiert. Zusätzlich Farbe und Tempo bekommt der Roman durch die Einblicke hinter die Kulissen und die Lebensbedingungen der Ghettobewohner. Zugleich ist er eine Hommage an die Kulturschaffenden unter bedrängtesten Bedingungen. Sehr empfehlenswert!
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Liebe sucht ein Zimmer
David Safier
Rowohlt Kindler (2025)
330 Seiten
fest geb.