Corona und Büchereien

Corona-Info 20.04.2020

Wenn Büchereien wieder geöffnet werden können

(Zu wann, siehe weiter unten)

Dr. Michael Ziemons, Dezernent für Soziales und Gesundheit in der StädteRegion Aachen und ehrenamtlicher Leiter der Bücherinsel St. Donatus in Aachen-Brand, hat uns folgende FAQ-Übersicht zur Öffnung von KÖB in der derzeitigen Corona-Lage zur Verfügung gestellt:

FAQ für Kath. Öffentliche Bibliotheken (Stand: 18.04.2020)

1. Wieviel Abstand muss zwischen Bibliothekar_innen/Mitarbeitenden und Kund_innen eingehalten werden?

Es gilt für alle Anwesenden die gleiche Regel; es ist mindestens ein Abstand von 1,5m zu anderen Personen einzuhalten. Für Bibliotheken gilt wie für Gewerbeflächen eine Richtzahl von 1 Person pro 10 qm Fläche. Die Abstände sind auch bei Warteschlangen vor dem Geschäft, vor Buchausgaben, Verbuchungsstationen etc. einzuhalten. Bringen Sie ggf. eine Markierung auf dem Boden an. Die Abstandsregel gilt rundum, das heißt, dass auch bei nebeneinander entstehenden Schlangen ein seitlicher Abstand von mind. 1,5m einzuhalten ist.

2. Müssen Bibliothekar_innen/Mitarbeitende und Kund_innen einen Mund-Nase-Schutz (MNS) tragen?

Dabei handelt es sich um eine deutliche Empfehlung, nicht jedoch um eine Pflicht. Das Tragen eines einfachen (textilen) Mund-Nase-Schutzes (auch Community- oder Alltags-Maske genannt) kann zur Eindämmung der Infektionsrate beitragen, wenn alle dieser Empfehlung innerhalb der Bibliotheksräume nachkommen. Unbedingt sollten diese Masken regelmäßig gewechselt und gereinigt werden.

Unabhängig davon ist auf die Einhaltung der Hygiene-Empfehlungen (Mindestabstand, Händewaschen, Husten- und Niesetikette etc.) zu achten.

Medizinische Masken, also OP-Masken oder gar FFP-Masken/ N95-Masken, sollen ausschließlich in medizinischen und pflegerischen Institutionen genutzt werden. Sie stellen eine Mangelressource dar!

3. Sind gehäufte Reinigungszyklen erforderlich?

Eine Reinigung sollte täglich nach Ende des Betriebes erfolgen. Besondere Maßnahmen sind dabei nicht zu ergreifen. Besonders wichtig ist eine tägliche Reinigung der Handkontaktflächen wie Türklinken, Tische, WC-Anlagen etc. Die Fußböden müssen natürlich optisch sauber sein, spielen aber bei der Erregerübertragung keine Rolle.

4. Müssen Oberflächen (z.B. von Büchern) desinfiziert werden?

Bücher müssen nicht speziell gereinigt werden. Eine routinemäßige Flächendesinfektion in öffentlichen Bereichen, auch der häufigen Kontaktflächen, wird auch in der jetzigen COVID-Pandemie nicht empfohlen. Hier ist die angemessene Reinigung das Verfahren der Wahl.

Eine Desinfektion kann in Erwägung gezogen werden bei sichtbarer Verschmutzung mit potenziell infektiösem Material wie beispielsweise Speichel.

5. Ist es erforderlich, Händedesinfektionsmittel zur Verfügung zu stellen?

Nein. Laut RKI stellt die konsequente Umsetzung des Händewaschens mit Wasser und Seife eine wirksame Maßnahme gegen die Übertragung von Krankheitserregern außerhalb von medizinischen Einrichtungen dar. Selbstverständlich sollte sein, dass alle Waschgelegenheiten mit Flüssigseife und Einmaltüchern ausgestattet sind.

6. Muss an den Waschbecken/ Sanitäranlagen warmes Wasser zur Verfügung stehen?

Nein, die Temperatur des Wassers spielt keine Rolle bei der Elimination von Viren.

7. Sind Wasser und Seife ausreichend, um damit Viren zu beseitigen?

Ja, außerhalb von Einrichtungen des Gesundheitswesens bedarf es keiner zusätzlichen Desinfektion. Händewaschen und Händedesinfektion zusammen wären sogar schädlich für die Haut und sind deshalb nicht empfehlenswert.

8. Welche Handtücher sind zu benutzen?

Die Verwendung von Papier-Einmalhandtüchern ist zu empfehlen und zu bevorzugen. Alternativ können Mehrweghandtücher verwendet werden, wenn diese personalisiert sind und regelmäßig gewaschen werden. Allerdings muss dann sichergestellt werden, dass diese Handtücher tatsächlich nur personalisiert verwendet werden (dies dürfte selbst in Bereichen, die nur dem Personal zugänglich sind, schwierig umzusetzen sein).

9. Wie ist mit Arbeitsgeräten und Werkzeugen wie Tastaturen, Telefonhörern, Barcodescannern, Scheren etc. umzugehen?

Arbeitsgeräte und Werkzeuge sollten nur von einer Person während einer Schicht benutzt werden. Werden sie von einer Schicht zur nächsten weiter gegeben, ist eine einfache Reinigung mit einem feuchten Tuch und normalem Reinigungsmittel notwendig, eine Desinfektion ist nicht erforderlich.

10. Ist ein Spuckschutz erforderlich?

Eine Pflicht dafür gibt es nicht, Plexiglas oder Acryl sind derzeit auch schwer zu bekommen. Hilfreich ist ein solcher Schutz natürlich, alternativ kann ggf. mit einer Band-Absperrung ein größerer Abstand zu einer Theke/ Kasse hergestellt werden.

11. Müssen Handschuhe getragen werden?

Handschuhe können in dreierlei Hinsicht kontraproduktiv sein: Sie verleiten dazu, etwas anzufassen, was man sonst nicht anfassen würde; es entsteht ein feucht-warmes Klima, das für Viren und Bakterien eher förderlich ist; es wird Händewaschen etc. vernachlässigt. Daher ist auch hier das häufige Händewaschen vorzuziehen.

12. Wie ist mit Büroräumen umzugehen?

Auch in Büroräumen gelten die üblichen Abstandsregeln. Auch bei guter Gelegenheit (z.B. Jubiläen/Feierlichen Anlässen) soll nicht in der Bibliothek gemeinsam gegessen werden. Kennzeichnen Sie persönliches Essen und Tassen/Gläser bei Bedarf.

13. Wie ist mit Sanitärräumen umzugehen?

Toiletten und andere Sanitärräume sind regelmäßig mit den üblichen Reinigungsmitteln zu reinigen, ggf. müssen die Reinigungszyklen angepasst werden. Eine spezielle Desinfektion ist auch hier nicht erforderlich, allerdings sollten alle Kontaktflächen wie Griffe, Türklinken etc. stets und oft gründlich feucht mit einem handelsüblichen Mittel gereinigt werden. Desinfektionsmittel ist bereitzuhalten für potenziell kontaminiertes Material wie Kot oder Urin.

14. Ist Bargeld ansteckend?

Davon ist nicht auszugehen. Natürlich sollte nach dem Kontakt mit Bargeld nicht die Hand in den Mund genommen oder ins Gesicht genommen bzw. Lebensmittel zum Verzehr angefasst werden.

15. Dürfen Mitarbeiter_innen aus Risikogruppen in der KÖB arbeiten kommen?

Dies ist nach Möglichkeit zu vermeiden, im Zweifelsfall jedoch mit der_m Hausärztin zu besprechen. Das Gesundheitsamt schaltet sich nur bei nachweislich positiv getesteten Personen und deren direkten Kontaktpersonen ein. Der Einsatz von Mitarbeiter_innen aus Risikogruppen ist in jedem Fall höchst restriktiv zu handhaben.

16. Müssen wir bei einer_m infizierten Mitarbeiter_in die Bibliothek sofort schließen und die Kund_innen warnen?

Das wird jeweils im Gespräch des Gesundheitsamtes mit der infizierten Person und deren Kontaktpersonen zu besprechen sein. Das Risiko kann minimiert werden durch das konsequente Tragen von Alltagsmasken, Einhalten von Abstandsgrenzen, Trennscheiben vor und ggf. zwischen Arbeitsplätzen und anderen, hier aufgeführten Maßnahmen.

17. Dürfen Vorleseangebote, Bilderbuchkinos u.ä. durchgeführt werden?

Derzeit ist dies durch die CoronaSchutzVerordnung nicht möglich. Bei einer Änderung der derzeitigen Verordnungslage ist dies im Einzelnen zu besprechen mit den möglichen Partner_innen wie Schule, KiTa oder Jugendeinrichtung. Für öffentliche Angebote der Bibliothek ist die dann geltende Verordnungslage zu berücksichtigen. Hygiene- und Abstandsregeln sind sicher noch lange erforderlich. Der Einsatz von Ehrenamtlichen, die einer der Risikogruppen angehören, wie Lesegroßeltern, ist unbedingt zu vermeiden.

18. Dürfen kranke Mitarbeiter_innen zur KÖB kommen?

Kranke gehören immer nach Hause! Darauf ist in der besonderen Situation auch bei leichteren Erkältungskrankheiten ohne Fieber zu achten. Dies gilt natürlich nicht für Heuschnupfen oder ähnliche, nicht infektiöse Erkrankungen.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass das Gesundheitsamt keine individuellen Hygienekonzepte bewerten und jede spezielle Fragestellung in einzelnen KÖB’en beantworten kann. Dafür sind es einfach zu viele und die ganze Kraft geht derzeit in die Kontaktpersonennachverfolgung und die Unterstützung und den Schutz medizinischer und pflegerischer Infrastrukturen.

Weitere Informationen:

-Hinweise zu Reinigung und Desinfektion von Oberflächen außerhalb von Gesundheitseinrichtungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie (Stand 4.4.2020); www.rki.de

-Infoplakate zum Händewaschen: www.bzga.de

-FAQ zu Corona-Infektionen: www.bzga.de

-Hinweise zur Gestaltung der Arbeit im Betrieb in der aktuellen Lage: www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/FAQ/FAQ-2_node.html

-Covid-19 – Hinweise zu Sanitärräumen und Sanitäreinrichtungen, Pausen- und Bereitschaftsräumen sowie in vom Arbeitgeber bereitgestellten Unterkünften: www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/FAQ/pdf/Sanitaereinrichtungen-Pausenraeume-Unterkuenfte.pdf

-Wie ist unter den Bedingungen der COVID-19-Pandemie mit gemeinschaftlich genutzten Arbeitsplätzen unter Berücksichtigung der Oberflächenreinigung zu verfahren? www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/FAQ/FAQ-18.html

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Einige Bundesländer ermöglichen die schrittweise Öffnung der Bibliotheken und Archive unter strengen Auflagen bereits jetzt schon, andere planen Beschlüsse dazu erst Ende April.

Auch sind die Regeln nicht in allen Bundesländern gleich. So gibt es etwa in NRW die Anweisung, Benutzer mit Namen und Anschrift zu registrieren, um im Bedarfsfall Infektionsketten nachverfolgen zu können. (Verordnung zur Änderung der Rechtsverordnung der Landesregierung NRW vom 16.4., die zumindest die KÖBs in NRW betrifft.)

Bitte verfolgen Sie die Veröffentlichung der Verordnung Ihres eigenen Bundeslandes und klären Sie vor Ort mit Ihren Trägern, ob und wann Ihre Bibliothek wieder öffnen kann.

Der DBV hat hier eine hilfreiche Übersicht der Länderbeschlüsse zusammengestellt: www.bibliotheksverband.de/dbv/themen/coronavirus/wiedereroeffnungen.html

In der Praxis wird der Öffnungsprozess nur schrittweise erfolgen können, weil die Träger nun zunächst die Auflagen erfüllen müssen, bevor die Kann-Bestimmungen tatsächlich umgesetzt werden können. Wir werden noch für lange Zeit nicht von einem Normalbetrieb ausgehen können.

Für die Katholischen Öffentlichen Büchereien gilt nach wie vor, dass der jeweilige Träger über eine mögliche Öffnung und auch über die Art und Weise einer möglichen Öffnung entscheidet, also zum Beispiel welche Hygienemaßnahmen einzuhalten sind und welche Personengruppen Dienst tun dürfen (Stichwort: Risikogruppen). Die Träger wiederum sind gegebenenfalls an Vorgaben aus dem jeweiligen (Erz-) Bistum gebunden. Einzelne Büchereien haben in den letzten Wochen innovative Maßnahmen getroffen, die Versorgung mit Lesestoff in möglichem Rahmen aufrecht zu erhalten. Dazu zählen kontaktloser Bringdienst nach Telefonanfragen und/oder Bücherkisten aufstellen.

Wo möglich, wird die Onleihe (eBooks, eMagazine und eAudios) noch einmal besonders beworben bzw. unterstützt:

www.libell-e.de

www.onleihe.de/lies-e/frontend/welcome,51-0-0-100-0-0-1-0-0-0-0.html (Bistum Osnabrück)

leihbook.onleihe.de/leihbook/frontend/welcome,51-0-0-100-0-0-1-0-0-0-0.html (Bistum Aachen)

bistum-speyer.onleihe.de/bistumspeyer/frontend/welcome,51-0-0-100-0-0-1-0-0-0-0.html (Bistum Speyer)

medienprofile 1/2020 sind bereits ausgeliefert. Damit können neue Medien für den Bestandsaufbau ausgewählt, eingekauft und ausleihfertig gemacht werden. Ein wichtiges Thema ist auch der Bestandabbau: Für die Aktualisierung des Bestandes kann die öffnungsfreie Zeit auch gezielt zum „Ausmisten“ genutzt werden.

Veranstaltungen können vorbereitet werden (Absagen und Neuplanungen machen auch immer viel Arbeit). Beschädigte Medien können repariert werden.

Was leider nicht möglich war und ist, ist dass die Büchereien als Begegnungsorte dienen, an denen man über Bücher ins Gespräch kommt und in denen vielfältige Literatur- und Leseveranstaltungen für Kinder und Erwachsene durchgeführt werden. Dass dies bald wieder möglich sein wird, darauf hoffen wir alle.