Das grüne Auge

Auf den islamisch geprägten Komoren glaubt man noch an böse Geister (Djinns). Das muss auch der kleine Moise schon als Baby erfahren: Mit einem dunklen und einem grünen Auge geboren, gilt er als mit einem Fluch behaftet. Deshalb Das grüne Auge wird er auch von seiner Mutter auf die zu Frankreich gehörende Nachbarinsel Mayotte geschafft und der Krankenschwester Marie in den Arm gedrückt. Die gebürtige Französin Marie, die selber unfruchtbar ist und deshalb von ihrem Mann verlassen wurde, nimmt den Kleinen nur zu gern an und zieht ihn auf. Moise wächst beschützt auf einer Insel auf, in der durch illegale Einwanderer und bitterarme Bevölkerung eine prekäre Zweiklassengesellschaft entstanden ist. Moise ist noch keine 15 Jahre, als seine Ziehmutter plötzlich stirbt. Verzweifelt läuft er von Zuhause fort und landet in den Slums der Inselhauptstadt. Dort regiert der junge Bruce mit brutaler Gewalt eine Gang, die sich mit Raub und Diebstählen durchschlägt. Zwischen beiden entwickelt sich eine Art Hassliebe. Als es zu einer Konfrontation zwischen Moise und Bruce kommt und Moise den Gangchef im Kampf besiegt, weiß er: Dies kann Bruce nicht auf sich beruhen lassen. - Mit viel Empathie und erzählerischem Geschick beschreibt Appanah in Form von Selbstreflexionen der Protagonisten die Geschichte, in der es um die Suche nach Liebe und der eigenen Identität geht, in der sie aber auch das prekäre und brutale Leben der Underdogs in den Slums beschreibt. Ein ergreifender Roman, für alle Bestände zu empfehlen.

Günter Bielemeier

Günter Bielemeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Das grüne Auge

Das grüne Auge

Nathacha Appanah ; aus dem Französischen von Yla M. von Dach
Lenos Verlag (2021)

210 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 974548
ISBN 978-3-03925-012-7
9783039250127
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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