Lieber woanders

Das Setting verrät die Autorin vorweg: "Da sind zwei Leute an verschiedenen Orten. In den nächsten vierundzwanzig Stunden werden sie sich aufeinander zubewegen, ob sie wollen oder nicht. Wobei das mit dem Wollen natürlich Quatsch Lieber woanders ist, denn die beiden wissen ja nicht, dass sie sich begegnen werden. Und sie haben auch keine Ahnung, dass es nicht das erste Mal sein wird." Bei den beiden Leuten handelt es sich um Toni, die angehende Kinderbuchillustratorin, und Alex, der als Roadie bei einer Band arbeitet. Zunächst noch völlig getrennt voneinander nähern sich die beiden Kapitel für Kapitel (aus abwechselnder Perspektive geschildert) an, und der Leser erfährt dabei, dass ein schicksalhafter Moment die junge Frau und den Familienvater bereits untrennbar miteinander verbunden hat. In diesen Roman einzusteigen, kommt einer Achterbahnfahrt gleich. Hat man die erste Seite erst einmal gelesen, gibt es keine Möglichkeit mehr, die Fahrt zu stoppen. Schneller und schneller treibt Marion Brasch die Handlung nach vorne, und obwohl es dem Leser manchmal ein bisschen mulmig in der Magengegend wird, weil das Tempo ihm den Atem nimmt, will er nicht aussteigen, sondern wissen, was ihn am Ende erwartet. Leider dauert die rasant-raffinierte Raserei nur knappe 160 Seiten. Beim Aussteigen noch ein bisschen wackelig auf den Beinen hat er, quasi im Vorbeifliegen, viel Kluges erfahren über Schuld- und Schuldgefühle, über schicksalhafte Ereignisse und parallele Existenzen eines einzigen Lebens. Also bitte, meine Damen und Herren: Zusteigen, einsteigen, das macht Spaß, das macht Freude!

Susanne Holzapfel

Susanne Holzapfel

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Lieber woanders

Lieber woanders

Marion Brasch
Fischer (2019)

153 S.
fest geb.

MedienNr.: 596074
ISBN 978-3-10-397413-3
9783103974133
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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