Der Messias kommt nicht

Der Zürcher Rabbi Gabriel Klein hatte vor Beginn seiner Tätigkeit in der größten jüdischen Gemeinde der Schweiz ein Doktorat über die jüdische Geschichte der Neuzeit erworben. Dadurch wird er für den Basler Professor Henri Der Messias kommt nicht Blatt interessant, der einen Übersetzer für eine kritische Ausgabe des Zwiegesprächs eines Christen und eines Juden über das Kommen des Messias von Sebastian Münster benötigt. Als der Rabbiner ein Sabbatical genehmigt bekommt, freut er sich zunächst über diese willkommene Abwechslung, steht aber schon nach kürzester Zeit vor allerhand Problemen: Sein Arbeitsplatz entpuppt sich als Schreibtisch im engen Arbeitszimmer eines ewigen Studenten bzw. Projektmitarbeiters und aus seinem Anstandsbesuch beim Basler Rabbiner wird gleich ein Wochenendeinsatz als dessen Vertreter beim Gemeindeschabbat. Dabei kommt es zu einem Mordfall an einem angesehenen Gemeindemitglied ... Der dritte Fall des Rabbi Klein liest sich auch unabhängig von den Vorgängerbänden (vgl. BP/mp 14/943, 15/644) gut. Die Stärke liegt sicher weniger im Fall an sich, der stimmig, aber ziemlich ruhig und wortlastig (und nicht zuletzt mit Hilfe von Kleins kluger Ehefrau) gelöst wird, als vielmehr in den Einblicken in interne Machtkämpfe im Hochschulbereich und in den jüdischen (Glaubens-) Alltag, wobei besonders die Messiasfrage ausführlich behandelt wird. Ein Glossar mit den verwendeten jüdischen Begriffen und eine Literaturliste zur Thematik um Sebastian Münster können zur Vertiefung herangezogen werden. Größeren Beständen mit interessierter Leserschaft sehr zu empfehlen.

Markus Hofmann

Markus Hofmann

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Messias kommt nicht

Der Messias kommt nicht

Alfred Bodenheimer
Nagel & Kimche (2016)

203 S.
fest geb.

MedienNr.: 815810
ISBN 978-3-312-00686-1
9783312006861
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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