Turmschatten

Neonazis wollen einen Sponsor für eine Synagoge einschüchtern. Doch der 72-jährige Ephraim Zamir, ein KZ-Überlebender und Mossad-Agent, überwältigt sie und bereitet dann einen Schauprozess gegen sie mit Publikumsvoting über Turmschatten ihr Leben per Video-Livestream vor. Der Privatsender Tele Pro greift das sofort auf und überträgt die Verhöre, die Quote geht dem Tele-Pro-Chef über alles. Währendessen bemühen sich die Polizeikräfte vor Ort, die Geiseln zu befreien, scheitern aber weitgehend an den Mauern des ehemaligen Luftschutzbunkers, den sich Zamir als Wohnung umgebaut hat. Immer höhere Instanzen werden involviert, es kommt zu dramatischen Szenen um den Turm, weil sich Massen Neugieriger und Rechte wie Linke dort versammelt haben. Zamir trägt die Lebensläufe der Gefangenen vor und erlebt eine so nicht erwartete Zustimmung, die Männer zu töten. Tele Pro überträgt alles weiterhin ... - Die Geiselnahme und die aktionsreichen Polizeiaktivitäten sind der rote Faden des Romans. Inhaltlicher Schwerpunkt sind die Charaktere der Neonazis und vor allem ihre Vorgeschichte, wie sie zu ihren Vorstellungen und zur Gewaltbereitschaft kamen, und weshalb Zamir zum unerbittlichen Rächer wurde. In jeder der Rückblenden zeigt der Autor aber auch die anderen Charakterseiten: Zweifel, Einsatz für andere Menschen, Zuwendung. Der Handlungsstrang um den Fernsehsender zeigt, wie immer mehr Tabus um der Quote willen gebrochen werden. Der Roman in seiner schlichten, eher journalistischen Sprache kann deshalb als Gesellschaftskritik und als neues Beispiel für Verführbarkeit angesehen werden. Da er handlungsreich ist, unterbricht man die Lektüre ungern. Lesenswert!

Pauline Lindner

Pauline Lindner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Turmschatten

Turmschatten

Peter Grandl
Das Neue Berlin (2020)

581 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 964087
ISBN 978-3-360-01356-9
9783360013569
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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