Ein geraubtes Leben

Am 23. März 2015 berichten die deutschen Medien, dass das Verfahren gegen Debra Milke nach 25 Jahren endgültig eingestellt wird. Die mittlerweile 51 Jahre alte Frau, die als 25-Jährige verhaftet wurde, ist frei. In ihrer Biografie Ein geraubtes Leben zeichnet die amerikanische Journalistin Jana Bommersbach das Leben und vor allem die Zeit im Gefängnis und schlussendlich in der Todeszelle in Arizona nach. Die Autorin war anfangs von der Schuld Milkes überzeugt, bis sie, nachdem sie sich tiefer in den Fall eingearbeitet hatte, immer mehr Zweifel bekam. Das Buch beginnt spektakulär mit der Probe der Hinrichtung. Kurz vor dem Exekutionstermin erhält Debra einen Aufschub für eine erneute Prüfung ihres Falls. Dann geht der Blick zurück zur Vorgeschichte. Am 10. März 1964 wird sie in Berlin als Tochter einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters geboren. Die Familie zieht in die USA. Mit 20 Jahren heiratet Debra Mark Milke, der Alkohol- und Drogenprobleme hat, was dann vier Jahre später zu einer Scheidung führt. Sie bekommt für ihren Sohn Christopher das alleinige Sorgerecht. Im Dezember 1989 wird der Bub in der Wüste erschossen aufgefunden. Debra wird beschuldigt, ihren Mitbewohnern den Auftrag gegeben hätte, ihn zu töten. - Wenn man das Buch liest, wechselt man zwischen dem Mitleid für die unschuldig Verurteilte und dem Zorn auf die schlampig ermittelnden Beamten, die zum Teil Beweise gefälscht hatten, hin und her. Das Buch ist fesselnd geschrieben und spricht fast immer auch die Emotionen der Leser an.

Gerd Fleder

Gerd Fleder

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ein geraubtes Leben

Ein geraubtes Leben

Jana Bommersbach
Droemer (2016)

399, [16] S. : Ill. (farb.)
fest geb.

MedienNr.: 584430
ISBN 978-3-426-27690-7
9783426276907
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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