Schuld und Verantwortung

Doris Reisinger (geborene Wagner), deren Buch "Spiritueller Missbrauch" zu den meistverkauften Sachbüchern dieses Jahres gehört, hat mit dem Wiener Kardinal Christoph Schönborn ein langes Gespräch geführt, das in diesem Schuld und Verantwortung Buch dokumentiert wird. Beide reden über Macht und Missbrauch und Verantwortung. Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, wie ein Zitat des Wiener Oberhirten zeigt: "Ich bin als Bischof in einer Doppelfunktion: Ich bin Hirte für die Gläubigen und auch für die Priester, und ich bin Richter. Das kann einem das Herz zerreißen, weil ich natürlich zuerst an die Opfer denke, aber dann auch den Menschen sehe, der zwar das Leben anderer schwer, manchmal lebenslang belastet hat, der aber selber auch ein Mensch ist." (S. 85) Offen und ehrlich sprechen Wagner und Schönborn über persönliche Erfahrungen, die unterschiedlicher nicht sein können. Während Schönborn etwa positiv auf die Ordenszeit zurückblickt, ist Wagners Resümee von einer deutlichen Ambivalenz geprägt. Neben den guten Aspekten, zu denen für sie etwa die Spiritualität des Stundengebets oder der Mehrwert der Gemeinschaft zählen, sind es im Falle der ehemaligen Ordensschwester insbesondere Verbote, an die sie sich halten, und niedere Dienste, die sie verrichten musste. Die gut 100 Seiten sind leicht zu lesen und machen einmal mehr die Notwendigkeit des Handelns deutlich.

Markus John

Markus John

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Schuld und Verantwortung

Schuld und Verantwortung

Doris Wagner, Christoph Schönborn
Herder (2019)

123 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 598897
ISBN 978-3-451-39526-0
9783451395260
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re, So
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