"Weil ich nun mal ein Gerechtigkeitsfanatiker bin"

Als junger Jurist und Mitglied der SS tritt Konrad Morgen im Herbst 1940 in den Dienst der SS-Gerichtsbarkeit, die strafrechtliche Vergehen von Mitgliedern der Waffen-SS und angegliederten Sondereinheiten verfolgte. Im Glauben an einen "Weil ich nun mal ein Gerechtigkeitsfanatiker bin" vermeintlichen Ethos dieser Spezialtruppen spürte er Korruptionsfällen und anderen Formen der Kriminalität bis in höchste Kreise der SS vornehmlich im besetzten Polen und im Osten nach. Dabei musste er erleben, wie solche Verbrechen oft von prominenter Stelle gedeckt wurden. Sein Versuch, kriminelles Handeln in einem zutiefst verbrecherischen System juristisch zu ahnden, das Massenmorde staatlicherseits legitimierte, musste scheitern, führte aber nach 1945 dazu, dass Morgen entnazifiziert wurde und als Zeuge in etlichen Kriegsverbrecherprozessen aussagte. - Mit großer Genauigkeit und fachlich exakter Dokumentation zeichnen die beiden Autoren, Professoren der Philosophie, exemplarisch den Werdegang des Juristen Konrad Morgen nach und bewerten dabei sein Handeln nach ethisch-moralischen Kategorien. Dieses zweifelsohne spannend zu lesende Fallbeispiel der Verstrickung einer Einzelperson im Dritten Reich hat fast den Charakter einer wissenschaftlichen Studie. Vor allem in stark ausgebauten Geschichtsbeständen.

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

"Weil ich nun mal ein Gerechtigkeitsfanatiker bin"

"Weil ich nun mal ein Gerechtigkeitsfanatiker bin"

Herlinde Pauer-Studer / J. David Velleman
Suhrkamp (2017)

348 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 589829
ISBN 978-3-518-42599-2
9783518425992
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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