Die Frauen von Själö

Die Nervenheilanstalt auf der Insel Själö in Finnlands Schärengarten ist für die meisten der dort als unheilbar psychisch krank diagnostizierten Frauen die Endstation. Zu ihnen gehört die junge Bauerntochter Kristina, die 1891 Die Frauen von Själö eingewiesen wird. Vereinsamt und vom Dorf verstoßen ist Kristina mit ihrer Lebenssituation heillos überfordert und ertränkt in geistiger Umnachtung ihre beiden außerehelichen Kinder. 1934 kommt Elli, eine erst 17-jährige Schülerin aus gutem Hause, nach Själö, nachdem sie mit ihrem Verlobten durchgebrannt ist und schließlich von der Polizei aufgegriffen wird. Wegen ihres Lebenswandels legt ihr der Anstaltsarzt eine Sterilisierung nahe - auch aus rassenhygienischen Gründen. Die dritte porträtierte Frau ist die fröhliche, einfühlsame Schwester Sigrid, die ihr ganzes Berufsleben bei den Frauen auf Själö verbringt und sowohl Kristina als auch Elli pflegt. - Nachdem die Finnlandschwedin Johanna Holmström (zul. "Asphaltengel", BP/mp 15/422) auf eine Doktorarbeit auf Basis von Patientenjournalen aus Själö stieß, bekam sie die Idee zu diesem Roman. So schlimm die damaligen psychiatrischen Behandlungsmethoden und die Isolierung auf der Insel auch sein mögen, zwischen den Frauen entstand eine besonders innige Gemeinschaft, die auch einen Schutz vor der harten Wirklichkeit und eine Zuflucht vor den Weltkriegen bot. Dies wird deutlich, als Schwester Sigrid selbst eine Krise durchlebt und eine Patientin sich liebevoll um sie kümmert. Eine bewegende und poetische Würdigung (vermeintlich) geisteskranken Frauen früherer Zeiten. Gerne empfohlen. (Übers.: Wibke Kuhn)

Maria Holgersson

Maria Holgersson

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Frauen von Själö

Die Frauen von Själö

Johanna Holmström
Ullstein (2019)

365 S.
fest geb.

MedienNr.: 597157
ISBN 978-3-550-05044-2
9783550050442
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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