Unter den Linden 6

In Berlin, wo sie bei Max Planck forscht, freundet sich die promovierte Wiener Physikerin Lise Meitner 1907 mit dem Dienstmädchen Annie und der verheirateten Hedwig an. Die drei Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten verbindet Unter den Linden 6 eines: sie kämpfen für ihre Rechte. Doch unter der ungebrochenen Dominanz der Männer im 19. Jh. haben sie es schwer, sich zu behaupten. Für ihre schon damals und bis heute geschätzte Forschung, die sie bei Max Planck und zusammen mit Otto Hahn durchführte, wurde Meitner jahrelang nicht bezahlt und blieb unbekannt, während Hahn den Nobelpreis für die gemeinsame Arbeit erhielt. Die fiktiven Figuren erleben Ähnliches: Hedwig fälscht die Unterschrift ihres Mannes, um Geschichte studieren zu können, darf aber nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen. Annie muss Vollzeit arbeiten, darf aber Abitur machen, weil ihre durchaus strenge Hausherrin sie unterstützt. Im personalen Erzählstil beleuchtet Kaiser ihre einfühlsam gezeichneten Figuren, indem sie im Wechsel von ihren jeweiligen Erfahrungen erzählen. Dies und die Liebesgeschichten, die sie jede der drei Frauen erleben lässt, hält die Spannung dieses im traditionellen Erzählstil geschriebenen Frauenromans aufrecht. Ein gelungenes Debüt.

Adelgundis Hovestadt

Adelgundis Hovestadt

rezensiert für den Borromäusverein.

Unter den Linden 6

Unter den Linden 6

Ann-Sophie Kaiser
Ullstein (2020)

454 Seiten : Karte
kt.

MedienNr.: 944369
ISBN 978-3-550-20060-1
9783550200601
ca. 14,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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